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Pfarre Breitenfeld — Themenformum — Pfarrblattartikel Marienfeste

Marienfeste im Laufe der Geschichte

Die biblischen Quellen - Grundlage des Festes

Sie sind recht spärlich. Aus den Angaben des Zweiten Testaments (Neues Testament) lässt sich bestenfalls eine grobe biographische Skizze erschließen. Im Galaterbrief, der noch vor den Evangelien entstanden ist, wird Maria nur indirekt genannt (4, 4: "Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren aus einer Frau..."), die Evangelien berichten etwas mehr. Wir lesen den (nicht zum Fest passenden) Teil der lukanischen Kindheitsgeschichte (Lk. 1, 26 - 38) als Evangelium zum 8. Dezember und die Fortsetzung (Lk. 1, 39 - 56) mit dem Magnificat als Schriftstelle am 15. August zu "Aufnahme Mariens in den Himmel".

Aus der Apg. 1, 14 wissen wir, dass die Gottesmutter Mitglied der Urgemeinde war. Zu erwähnen wäre noch das Proto - Evangelium des Jakobus, das nach 150, also wesentlich später als die Evangelien entstanden ist und das die Erzählungen von Lukas und Matthäus ausschm ückt (z. B.: Geburt Jesu in einer Höhle). Der Verfasser gibt sich als Bruder Jesu aus, gemeint ist Weggefährte, dürfte aber kaum Jude gewesen sein. Diese Schrift hat aber für Kunst, Dichtung, Liturgie, einiges zum abendländischen Marienbild beigesteuert. So kennen wir einzig und allein über das Proto- Evangelium die Namen der Eltern von Maria: Joachim und Anna.

Keine Marienverehrung ohne Christologie

Die Evangelien, auch die Apostelgeschichte belegen, dass das Leben Jesu und seiner Mutter trotz der kargen Berichte in enger Abhä ngigkeit stehen. Der Apostelgeschichte kann man entnehmen, dass Maria und die junge Kirche zusammengehören.

In der Kirchengeschichte, vor allem in den ersten fünf Jahrhunderten, spielt die Mutter Jesu eine unverzichtbare Rolle. Theologen der Alten Kirche klären zunächst, wer Christus ist: nur Gott, nur Mensch? Sie kommen zu dem Glaubenssatz "Jesus ist wahrer Gott und wahrer Mensch" und Maria vollendet in der biologischen und geistlichen Nähe zum Sohn durch ihr freiwilliges JA den Weg der Nachfolge. Trotzdem galt es, noch ein Problem zu lösen: Weil Maria nur Menschennatur hatte, konnte sie auch nur einen Menschen gebären. Das Konzil von Ephesus entschied deshalb 431: Maria hat Gott geboren, indem sie einen Menschen zur Welt brachte, der vom ersten Augenblick seines Menschseins auch Gott ist.

Die lateinische Kirche legt diese Erkenntnis in den Dogmen von der "Unbefleckten Empfängnis Mariens " (1854) und ihrer "Aufnahme in die g öttliche Herrlichkeit" (1950) fest.

Geschichtliche Wurzeln des Festes und ökumenische Überlegungen

Die Dogmatisierung "Maria als Gottesgebärerin" am Konzil von Ephesus 431 ist gleichsam der Start für die Entstehung einer intensiveren Marienverehrung und damit auch für die Entstehung des Festes "Entschlafung Mariens" bzw. des Festes "Gedächtnis Mariens".

Im 6. Jhdt. wurde es im Osten bereits vielerorts gefeiert, bekannt als "Natale Sanctae Mariae" (= Geburtstag der Heiligen Maria), gemeint ist damit, dass ihr Sterbetag, der historisch genau so wenig zu fassen ist wie ihr irdischer Geburtstag, der himmlische Geburtstag ist. Kaiser Mauritius (582 - 602) führte diesen Gedenktag im gesamten Byzantinischen Reich mit feierlicher Prozession ein. Vor diesem Fest gibt es bis heute im Osten eine zweiwöchige Fastenzeit. Grundlage daf ür sind neben der christologischen Auseinandersetzung auch die sogenannten "Transitus Mariae - Legenden" (Hinübergangslegenden), die den Heimgang der Gottesmutter schildern. Eine koptische Version, die dem ersten Bischof von Antiochien Evodius zugeschrieben wird, lautet: Maria, die um ihr nahes Ende weiß, bereitet sich in Jerusalem im Kreis der Apostel auf ihr Ende vor. In ihrer Sterbestunde erscheint ihr Sohn auf himmlischen Wagen, umgeben von Engeln. Er tröstet alle Anwesenden und nimmt Maria mit in den Himmel.

Bildliche Darstellungen dieser und ähnlicher Art gibt es sehr viele. Festgehalten werden muss aber auch, dass der Begriff "Apostel" ein Oberbegriff ist. Es hat sich nur der "innere Kern" der Urkirche an ihrem Totenbett versammelt. "Apostel" ist kein Amt, das weitergegeben wurde, es bedeutet vielmehr der / die Nachfolger(in).

Im Westen fand das Fest nicht sofort Eingang. Erst durch den aus Syrien stammenden Papst Sergius I. ( 687 - 701) fand es allgemein Verbreitung und wurde in Anlehnung an den Osten gefeiert. Der theologische Akzent verschob sich dabei etwas in der Namensgebung.: Assumptio Mariae (Aufnahme Mariens in den Himmel), also ein passiver Vorgang, während man bei Christus von einer "ascensio", einer Auffahrt spricht, somit von einem Selbsttun des Auferstandenen ausgeht. Damit wird das Osterfest als Christi Himmelfahrtsfest weiter entfaltet.

Der Liedhymnus in der orthodoxen Liturgie zu diesem Fest lautet: " Im Gebären hast du die Jungfräulichkeit bewahrt, im Entschlafen die Welt nicht verlassen, Gottesgebärerin. Du bist hinübergegangen zum Leben, die du bist die Mutter des Lebens, und durch deine Fürbitten erlösest du vom Tod unsere Seelen." Der Ausdruck "hinübergegangen" (griech.: metéstis) deutet an, dass Maria am Leben geblieben ist und als Schutzfrau der Gläubigen weiter wirkt. Diese Überzeugung hat sich bis heute besonders fest in den Kirchen des Ostens eingewurzelt und ist biblisch besser abgesichert als "Himmelfahrt Mariens", bei der "Erhöhung" gemeint ist.

In der römisch - katholischen und in den orthodoxen Kirchen hat Marienverehrung einen besonderen Rang und auch viel Gemeinsames. Marienfeste sind wesentlicher Bestandteil des Kirchenjahres. Die Orthodoxie greift aber neben biblisch bezeugten Ereignissen auch auf Apokryphen (verborgene, nicht in den Kanon der Bibel aufgenommene Schriften) zurück und schafft mitunter eigene Feste (z. B.: Fest der Gewandniederlegung). Im Gegensatz zur röm.- kath. Kirche schufen die orthodoxen Kirchen kein Dogma, weil die gelebte Tradition das beste Zeugnis für die Marienverehrung darstellt.

Skeptisch - kritisch hingegen zeigen sich bei der Marienverehrung die reformatorischen Kirchen. Wenn man bedenkt, welch abstruse Formen und Auswüchse Heiligenverehrung und Marienkult sich bis ins Hochmittelalter entwickelten, wie aus Glauben, Aberglauben, Magie und Wundersucht entstanden, ist diese Haltung verständlich. Es gab Leute, die verkauften Milch der Gottesmutter oder die Windeln des Jesuskindes. Auch der Reliquienkult trieb merkwürdige Blüten. Wer mehr Reliquien besaß, hatte offenbar besseren Zugang "nach oben." Maria ist nach wie vor für evangelische Christen die Mutter des Herrn, Zeichen der Gnade Gottes und des Glaubens. Luther selber hatte nichts gegen die Marienverehrung. In einer Predigt aus dem Jahr 1526 nennt er den entscheidenden Unterschied, den es zur röm. - kathol. Theologie und Volksfrömmigkeit gibt. Zur Verehrung meint er: "Weil davon nichts in der Bibel steht, darf hier auch nichts Gewisses zu glauben gepredigt werden. Mag denken jemand, was er will, aber doch, daß er keinen Artikel daraus mache." Das heißt: Nichts soll dogmatisiert werden. Verständlich also, dass evangelische Christen mit den beiden römisch - kathol. Dogmen von 1854 und 1950 wenig Freude haben. Maria als Frau, die deutlich macht, daß der Mensch vor Gott nichts mitbringen kann, nichts selber erreichen kann, sondern alles von ihm empfängt und so zum Segen für sich und die anderen wird, scheint auch für evangelische Christen tragbar.

Aktualität des Festes

Es ist ein Fest, das darauf hinweist, dass am Ende unseres Lebens Gott mit offenen Armen auf uns wartet. In Maria gibt Gott Antwort auf die Frage nach dem Sinn und Ziel des Lebens, aber auch nach der Bedeutung des Sterbens, hochaktuell für die heutige gesellschaftspolitische Situation, wann Leben "vollendet" ist. Somit wird durch dieses Fest auch nach unserem persönlichen Auferstehungsglauben gefragt.

Die griechische Philosophie hat es geschafft, den biblisch - ganzheitlichen Menschen in Leib/Materie einerseits und Seele/Geist andererseits zu trennen, was unserem Glauben an die Auferstehung einen schlechten Dienst erwiesen hat. Die jüdisch - christliche Tradition sagt, dass der ganzheitliche Mensch mit Leib und Seele auferstehen wird. Wie immer das geschieht, bleibt "Geheimnis des Glaubens", wie wir in der Eucharistiefeier bekennen. Glaube selber ist kein spontaner Akt, sondern Antwort auf Gottes liebende Zuwendung. Daher dürfen wir auch über Maria sagen, sie ist ein Mensch der ständigen Gottbezogenheit. Marienfeste werden deshalb nie ohne Christusbezug gefeiert werden können., ansonsten würden wir von Fehlformen der Marienverehrung sprechen müssen. Marienfeste - auch dieses Fest - sind Stationen, bei denen es zu überlegen gilt, welchen Platz und welche Rolle Frauen in der Gesellschaft damals und heute einnehmen. Jesus hatte einen ungezwungenen Umgang mit Frauen, er versuchte diesbezüglich gesellschaftliche Barrieren zu durchbrechen. Wie sieht es heute mit der Stellung der Frau in Gesellschaft und Kirche aus? Sind wir nicht auch in dieser Frage, wie Weihbischof Dr. Krätzl formuliert "im Sprung [noch ] gehemmt"?

Das Fest der "Aufnahme Mariens in den Himmel" ist auch ein Fest wider die Leibfeindlichkeit. Obwohl es in den letzten vierzig Jahren auch kirchlicherseits zur Körperlichkeit, zum Leib eine allmählich unbefangenere Sichtweise gibt, gilt es trotzdem, immer wieder darauf hinzuweisen, den Leib mit Dankbarkeit zu sehen (Form der Selbstliebe!), gleichzeitig aber auch jede Vergötzung fernzuhalten.

Brauchtum der Kräutersegnung

Die Achtung vor dem Leib zeigt sich in diesem Brauch aus dem 10. Jhdt. besonders gut. Es dürfte sich hiebei um einen verchristlichten (getauften) Brauch handeln. Während in der Großstadt mitten im Hochsommer der Tag "Mariä Aufnahme in den Himmel" nur als Feiertag geschätzt, sonst aber wenig Beachtung findet, wird er bis heute am Land als "Großer Frauentag" gefeiert, da und dort durch Prozessionen bzw. Schiffsprozessionen wie am Wörther See und durch die Kräutersegnung begangen. Dabei schwingt die Vorstellung mit, dass Pflanzen im "Frauendreißiger" zwischen dem großen (15. August) und dem kleinen Frauentag (8. Sept.) besonders wirksam seien.

Die "Legenda aurea" besagt, dass dem Leichnam Mariens ein Engel eine Palme vorantrug, die unbeschreiblich guten Duft verbreitete. Später sollen Apostel im Grab der Gottesmutter statt des Leichnams Blumen gefunden haben. Der Brauch scheint auch deshalb sinnvoll, da Maria mit Blumen in Zusammenhang gebracht wird: Rose ohne Dorne, Lilie ohnegleichen....

In der Kräutersegnung kommt zum Ausdruck, dass der Mensch unmittelbar mit der Schöpfung verbunden ist und dass auch sein Wohl und Wehe, seine Existenz letztlich auch von diesen Pflanzen abhängt. So kann uns dieser schöne Brauch auch Hinweis dafür werden, dass wir nicht Räuber, sondern Gärtner der Schöpfung sein sollen und die Güter dieser Erde gerecht verteilen.

Mariä Himmelfahrt, ein Fest mit vielen Namen, die immer wieder andere Zugänge erschließen ein Fest mit reicher Symbolik und theologischem Gehalt. Wird es wohl auch in unserer Großstadt wieder heimisch werden?

Dr. Max Angermann, Diakon

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