Diese Zeilen fielen mir anlässlich Deines „runden“ Geburtstags ein. Ich weiß, dass Du es gar nicht gerne hast, wenn Du zu sehr in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gestellt wirst, noch weniger, wenn Du Dich gedruckt und fotografiert im Pfarrblatt wieder findest.
Da Du aber in der Theologie schon wesentlich länger daheim bist als ich, ist Dir das Prinzip von der Güterabwägung bestens bekannt. Was ist in Deiner Situation schlimmer: Einen – DEINEN – runden Geburtstag zu erwähnen? …oder: ihn totzuschweigen? Die Antwort ist gewiss mit diesen Zeilen gegeben.
„Sprich nicht so sehr über mich, sondern stell das Wort Gottes und die Gemeinschaft der Kirche in den Vordergrund Deiner Überlegungen!“ Diesen Satz, den ich mir recht gut anlässlich eines Deiner runden Jubiläen gemerkt habe, will ich auch heute gerne berücksichtigen.
Da der „Jahresregent“ in diesem Kirchenjahr der Evangelist Lukas ist, der Evangelist des Alltags, fällt mir eine passende Stelle ein, die Dich ein Leben lang begleitet: „In jener Zeit, als die Leute aus allen Städten zusammenströmten…“ (Lk. 8,4ff)
Lieber Otto, viele Menschen aus allen Ecken Wiens und sogar weit darüber hinaus, strömten und strömen in Breitenfeld seit mehr als vierzig Jahren zusammen, um mit Dir über den Glauben zu reflektieren, um in der Verkündigung, selbstverständlich auch in der Predigt beim Gottesdienst den menschenfreundlichen, liebenden Gott zu vergegenwärtigen, ein Kirchen-und Gottesbild weiterzugeben, wie es so deutlich in den Texten des II. Vatikanums zu finden ist. Wahrscheinlich ist das auch mit ein Grund, warum die 11, 30 Uhr-Sonntagsmesse so gerne von vielen Menschen angenommen wird. In Deiner Verkündigung strahlt der Vers des ersten Johannesbriefes auf: „Gott ist die Liebe.“ Immer wieder erzählst Du aus Deiner jahrzehntelangen Arbeit in der Telefonseelsorge, wie niedergeschlagen Menschen sind, welch unglaubliches Kreuz so manchem auferlegt wird. Da muss doch der heilende, tröstende Gott viel mehr zur Sprache kommen.
Viel von dem, was Du als Sämann des Wortes Gottes so authentisch mit kräftiger Stimme verkündest, ist auf guten Boden gefallen“ (Lk.8,8), wie wir im Evangelium lesen. Das bestätigt die Gemeinde aus Penzing, von der Du immer wieder zur regelmäßigen Vertiefung des Glaubens eingeladen wirst und auch die außergewöhnlich hohen Besucherzahlen im Bildungswerk Breitenfeld. Weihbischof DDr. Krätzl, der als gern gesehener Referent und Firmspender nach Breitenfeld kommt, findet immer wieder höchst anerkennende Worte für Dein jahrzehntelanges Wirken. Du stellst den ganzheitlichen Menschen in die Mitte Deiner Betrachtungen. Darum deckt Dein pastorales Programm sehr, sehr viele Facetten des Lebens ab. Man möge nur einmal die breite und nicht endenwollende Themenpalette des Bildungswerkes nachlesen: von Glaubensvertiefung, über Auseinandersetzung mit Fragen des Verhältnisses von Naturwissenschaft und Religion, den interreligiösen Dialog, Erkenntnisse der Hirnforschung, Beschäftigung mit Sigmund Freud, Dichter als Mystiker wie etwa Rainer Maria Rilke oder Christine Busta bis hin zur Ökumene, die sich derzeit im „Steilhang“ befindet, wie der Kurienkardinal Walter Kasper schreibt. Aber auch Feste, gemütliches Zusammensein und Busfahrten, die immer neue Einblicke in die Geschichte und Lebensart unserer Heimat geben, darüber hinaus ganztägige Exkursionen in die Länder der ehemaligen Donaumonarchie Tschechien und Ungarn, schärfen den Blick für geschichtliche Zusammenhänge und Gemeinsamkeiten, die wir in der EU wieder entdecken. Die Gespräche dabei fördern die Gemeinschaftsbildung innerhalb der immer recht großen TeilnehmerInnengruppe.
Die Pfarre Matzen- das weiß ich als Augen- und Ohrenzeuge- erwartet Dich jährlich mit großer Freude-, um in der Liturgie mitzuerleben, wie Du ihnen das Wort Gottes schmackhaft machst. Die Menschen freuen sich nach den Gottesdiensten auf die persönliche Begegnung.
Immer wieder ist es Dir gelungen, Gemeinschaft und Gemeinde zu bilden: in Deiner aktiven Zeit als Religionsprofessor im Gymnasium in der Diefenbachgasse, im Lehrer- besonders im Religionslehrerkollegium.
„Wieder ein anderer Teil (der Saat), also des Wortes Gottes, fiel unter die Dornen und erstickte“ (Lk. 8,7). Warum so vielen heute die „Luft zum Glauben“ fehlt? Bleibt der Atem Gottes heute mehr aus, begnügt man sich mit schönen, aber doch hohl gewordenen Worten? Fiel der Same des Wortes Gottes vielleicht auch auf den steinigen Boden kirchlicher Reformunwilligkeit? Das alles bereitet Dir große Sorgen, die Dich sehr beschäftigen und die Du immer wieder ansprichst: die große Distanz zur Kirche und damit verbundene Austritte. Jesus fragt seine Jünger: „Wollt auch ihr gehen? Und Petrus antwortet: Herr, wohin sollen wir gehen? Nur du hast Worte des ewigen Lebens.“ (Joh. 6, 68). Bei all den Sorgen, denen wir uns als kirchliche Gemeinschaft zu stellen haben, gibt Dir dieses Wort des Simon Petrus Kraft, weiterhin die vielen Menschen zu begleiten, weil sie in Dir einen „Felsen“ im Glauben, in der Hoffnung, in der Liebe, im Vertrauen sehen.
Runde Jubiläen sollen kein Selig- oder Heiligsprechungsakt sein, sondern gemeinsames Reflektieren, dankbare Erinnerung daran, was Du, lieber Otto, in bester Zusammenarbeit mit Gottes Hilfe und mit anderen Menschen ge- und be-wirkt hast.
In diesem Sinne danke ich Dir ganz persönlich für unsere 35-jährige Freundschaft und Zusammenarbeit, für die vielen Gespräche während der schönen Jahreszeit auf der Terrasse mit den bunten Blumen und mit Blick auf die blühenden Kastanienbäume. Ein herzliches DANKE auch im Namen all derer, die keine Gelegenheit finden, Dir persönliche Wünsche zu überbringen, denen Du aber immer ein offenes Ohr geliehen hast. DANKE, lieber Otto, für all Deine guten Werke. Es ist schön, dass Dich der liebe Gott zu uns hierher geführt hat. Und dass er Dich noch lange bei uns lasse,
das wünscht in herzlicher Verbundenheit
Dein Max