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Pfarre Breitenfeld — Themenformum — Pfarrblattartikel 1/2004

Pfarrblattartikel März-Mai 2004

So rettete der Herr an jenem Tag Israel aus der Hand der Ägypter!

Monika Kolbe

Jedes Jahr in der Osternacht lesen wir in einer der Lesungen von der Errettung Israels aus der Knechtschaft in Ägypten, von den Strafen, die Gott dem Pharao und seinem ganzen Volk auferlegt. Um sein auserwähltes Volk zu retten, lässt er schließlich die Armee der Ägypter im Roten Meer jämmerlich ertrinken. Es ist ein unglaublich starkes Bild. Gott lässt das Meer austrocknen, rechts und links steht das Wasser wie eine Mauer und die Israeliten gehen sicher ans andere Ufer. Von der Armee der Ägypter blieb jedoch kein einziger übrig.

"So rettete der Herr an jenem Tag Israel aus der Hand der Ägypter!" (Ex 14,30)

Kann ein barmherziger Gott die Vernichtung einer ganzen Armee in Kauf nehmen, nur um die zu retten, die sein Volk sind? Weiß sich der allmächtige Gott nicht anders zu helfen? Der Erzählung geht schon eine Geschichte voraus. Mose bittet den Pharao, die Israeliten ziehen zu lassen, ihre Knechtschaft zu beenden. Um der Bitte des Mose Nachdruck zu verleihen, wird das Volk der Ägypter mit den zehn Plagen auf die Macht Jahwes hingewiesen. Aber der Pharao gibt Israel nicht frei. Da schreitet Gott zur entscheidenden Rettungstat. Die Israeliten brechen auf, die Streitmacht des Pharaos folgt ihnen. Nie hätten sie dieses mächtige, gut bewaffnete Heer besiegen können. Sie sind in einer absolut hoffnungslosen Lage. Jahwe hat sie zum Aufbruch "verleitet", sie haben auf ihn vertraut und ihm geglaubt, und er lässt sie nicht im Stich. Unmögliches vollbringt er für die, die er liebt, für die, die an ihn glauben, die ihm folgen.

Jedes Jahr in der Osternacht hören wir diese Stelle aus dem Buch Exodus - eine Geschichte unseres Lebens. Den Mut haben aufzubrechen, auch wenn die Lage hoffnungslos ist. Nicht in der Abhängigkeit, Knechtschaft bleiben, nur weil dort die vollen Fleischtöpfe sind und die Bequemlichkeit. In die Freiheit aufzubrechen bedeutet Risiko, Ungewissheit, vielleicht eine lange Zeit bis das Ziel endlich erreicht ist. Mitunter zwischendurch die Frage "War es der richtige Weg? - die richtige Entscheidung?". Auch das Volk Israel zaudert. Mose muss ziemlich hart durchgreifen, um sie wieder auf den richtigen Weg zu bringen.

Gott ist mit Ihnen. Gott ist mit mir. Wenn ich mich aufmache, dann begleitet er mich. Er lässt mich trockenen Fußes das andere Ufer erreichen und die, die mir Böses wollen, hält er von mir fern.

Eine Geschichte für uns - für mich? Ja - sie ermutigt mich, immer wieder einen Aufbruch zu wagen, mich von Gott in die Freiheit rufen zu lassen, mit dem Vertrauen, dass mich mein Gott auf meinem Weg begleitet.

Mag. Monika Kolbe, Pastoralassistentin

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Was passiert mir auf dem Weg? - Exodus

Juden und Christen lesen in ihren Gottesdiensten Texte aus der Bibel. Den Juden gilt als hl. Schrift im strengen Sinn nur die Tora, der Pentateuch, die 5 Bücher Mose. Die Lesung aus der Tora steht in der Synagoge immer an erster Stelle, dann folgen, als Kommentar dazu weitere Bücher des Ersten Testaments: aus den Geschichtsbüchern oder den Büchern der Propheten. Die Christen haben nicht, wie zu erwarten war, die Lesung aus den Evangelien an die erste Stelle gesetzt, sondern sie blieben bei der alten jüdischen Ordnung. In der ersten Lesung wird eine Stelle aus den Büchern des Ersten Testaments gelesen, als zweite Lesung eine Stelle aus dem Zweiten Testament, meistens aus den Briefen, dann als dritte Lesung ein Abschnitt aus einem der vier Evangelien.

Jüdischer und christlicher Gottesdienst haben also eine gemeinsame Grundlage in der biblischen Überlieferung. Beide haben Schriftlesung, Gebet und Gesang als wesentliche Elemente des Gottesdienstes. Allerdings ist der jüdische Gottesdienst ein Laiengottesdienst, der die aktive Beteiligung der Anwesenden verlangt. Sein Hauptteil kann erst beginnen, wenn 10 Männer über 13 Jahren versammelt sind. Das Amt des Vorbeters bzw. Kantors kann grundsätzlich jedem übertragen werden. Es gibt aber auch Vorbeter, die von der Gemeinde angestellt sind. Zum Unterschied vom christlichen Gottesdienst bedecken die Männer und meistens auch die Frauen, die während des Gottesdienstes getrennt von den Männern sitzen, ihr Haupt aus Ehrfurcht vor Gott. Die Lesungen werden in Hebräisch gelesen, die Predigt wird in der Landessprache gehalten. Die Mitfeiernden haben aber ein Gebetbuch, in dem die Lesungen auch in die Landessprache übersetzt sind.

Am Anfang des Gottesdienstes steht ein ausführlicher Gebetsteil, dann folgt die Schriftlesung, die mit dem feierlichen Öffnen des Toraschreins, dem Herausheben der Torarollen, dem Tragen der Rolle zum Lesepult und dem Aufrollen der Tora bis zur entsprechenden Stelle beginnt. Dann werden 7 Männer aufgerufen, die am Beginn und am Ende eines Unterabschnittes den Tora-Segen sprechen. Die Lesung wird vom Kantor im überlieferten Sprechgesang vorgetragen. Nach den Lesungen wird in vielen Gemeinden eine Predigt gehalten. Der abschließende Gebetsteil umfasst Psalmen, Gebete, die aus nachbiblischer Zeit überliefert wurden und das "Höre, Israel! Jahwe, unser Gott, Jahwe ist einzig. Darum sollst du den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft.", (Dtn 6,4ff) das jüdische Glaubensbekenntnis.

Wohlhabende Gemeinden stellen auch einen Rabbiner an.

Dieser jüdische Synagogengottesdienst ist eingebettet in eine häusliche Feier, die am Feitag mit den Entzünden der beiden Sabbatkerzen durch die Frau des Hauses beginnt. Nach dem Synagogengottesdienst am Freitag geht die Familie nach Hause um die Feier fort zu setzten. Der Hausvater begrüßt den Sabbat mit dem Friedensgruß, spricht das "Lob der Frau" und vollzieht den Kiddusch, die Segnung des Tages. Danach hebt er den bis zum Rand gefüllten Becher mit Wein, trinkt und reicht ihn bis zum jüngsten Kind weiter. Nach dem rituellen Händewaschen und dem Tischgebet ("Gepriesen seist Du, Ewiger, unser Gott, König der Welt, der hervorbringt Brot aus der Erde") nimmt der Hausvater das Sabbatbrot, bricht für sich und für alle ein Stück ab und reicht dies weiter. Zur Sabbatmahlzeit singt man Sabbatlieder, die mit dem 126. Psalm abschließen:

"Als der Herr das Los der Gefangenen Zions wendete, da waren wir alle wie Träumende. Da war unser Mund voll Lachen und unsere Zunge voll Jubel. Da sagte man unter den andern Völkern: "Der Herr hat an ihnen Großes getan." Ja, Großes hat der Herr an uns getan. Da waren wir fröhlich. Wende doch, Herr, unser Geschick, wie du versiegte Bäche wieder füllst im Südland. Die mit Tränen säen, werden mit Jubel ernten. Sie gehen hin unter Tränen und tragen den Samen zur Aussaat. Sie kommen wieder mit Jubel und bringen ihre Garben ein."

Der Sabbat wird vom Hausvater am Samstagabend verabschiedet. Über den scheidenden Sabbat wird die Habdalah, ein Segen, gesprochen. Abschied genommen wird mit Wein, aromatischen Kräutern und dem Licht einer Kerze. Der Duft der Kräuter bleibt noch, wenn der Sabbat schon zu Ende ist und lässt die Freuden des Sabbats in die folgende Woche hineinwirken.

Während des Mahls nahm Jesus das Brot und sprach den Lobpreis; dann brach er das Brot, reichte das Brot seinen Jüngern und sagte: Nehmt das ist mein Leib. Dann nahm er den Kelch, sprach das Dankgebet, reicht ihn den Jüngern, und sie tranken alle daraus. " (Mk 14,22-23)

Mag. Monika Kolbe, Pastoralassistentin

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