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Pfarre Breitenfeld — Themenformum — Pfarrblattartikel 2/2004

Pfarrblattartikel Juni-August 2004

Berufung - etwas Besonderes?

"Was - du willst Priester werden?" Eine erstaunte Aussage die ich während meines Studiums öfters hörte. Und dann das vorsichtige Herantasten, wie denn das mit meiner "Berufung" gewesen sei. Dann die oft große Desillusionierung, dass sich weder ein kleines, einen Berufsvorschlag mir ins Ohr flüsterndes Engerl auf meine Schulter niederließ, noch ein schwerer Schicksalsschlag oder eine Lebenskrise für mich zu einer "Berufung" geführt hat. Manchmal habe ich es als große Enttäuschung meiner Gesprächspartner erlebt, dass weder ein Blitz noch eine gewaltige Stimme aus dem Himmel mich "zum Priester berufen" hat.

Die Geschichte einer Berufung:

Aufgewachsen in einem sehr gesunden, religiösen Leben meiner Familie bin ich sehr frühzeitig in das kirchliche Ambiente meiner Heimatpfarre Breitenfeld "hineingerutscht" und habe es schätzen gelernt. Haben mich anfangs sicher wenige religiöse Motive in meinem dortigen Engagement bewegt, sondern viel mehr rein menschliche (Freundschaften, mich engagieren können, "wichtig sein",...), ist mir meine Pfarrgemeinde mehr und mehr auch zu dem Ort geworden, wo ich Glauben lernen und leben konnte. Den Großteil meiner Freizeit habe ich dort investiert und bin von "Seelsorgstunden" meiner Schul- Beginnzeit, über Ministrieren und Jungschargruppen selbst immer mehr aktiv in Verantwortlichkeiten eingebunden worden und in diese hineingewachsen. Wesentlich ist meine Beziehung zu Gott gewachsen und durch all dies geprägt worden - so etwas wie "Be-GEIST-erung" für Gott ist erwacht. Langsam hat sich der Gedanke in mir breit gemacht, dass ich all diese, von mir so geliebten Tätigkeiten nicht nur in der kärglichen Freizeit, sondern vom ideellen auch zum faktischen Hauptinhalt meines Lebens machen wollte. Spannungen in meiner Pfarre (insbesonders mit dem damaligen Pfarrer) erlebte ich bei allem Leidensdruck im Wesentlichen als Herausforderung: Das muss man doch auch anders machen können. Rückblickend sage ich theologisch durchdacht, dass Gott mich durch all diese Lebensumstände gerufen hat ohne donnernde Stimme von oben, wie die Klischees es fordern. Intensives Nachdenken und Beten haben mir darin Klarheit und Sicherheit gebracht.

Priester - die eigentliche Berufung?

Immer wieder habe ich erlebt, dass Menschen zum Thema "Berufung" sofort an das Priestertum denken - und auf den Einwand, dass Berufung eigentlich viel mehr sei, doch zumindest dies als die eigentliche und besondere Berufung ansehen. Da habe ich noch nie mitkönnen. Bis heute halte ich diesen Ansatzpunkt für falsch, eigentlich sogar für unchristlich. Dies hieße doch, dass das Leben als Priester der "eigentlichere" Weg des Christseins wäre - und das ist dann sicher nicht mehr christlich.

Von Gott gerufen - wir alle!

Wenn ich meine eigene Geschichte ansehe, dann erlebe ich Gott als einen, der mir durch unzählige Lebensumstände, Situationen, "Zufälle", oder Gespräche zu verstehen gibt, wo er mich haben will, wo er für mich "Leben in Fülle" (Joh 10,10) bereitet hat. Und eine solche Berufung hält Gott für jeden Menschen bereit. Es gilt hellhörig zu werden für die Stimme Gottes. Was will er für mich, wo will er mich zum "Leben" führen. Es gilt ein G'spür dafür zu entwickeln, was Gott heute hier und jetzt zu mir sagt. Und das gilt selbstverständlich auch für solch wesentliche Entscheidungen wie Berufs- oder Partner bzw. Partnerin Wahl, aber auch für den Ruf, z. B. sich um konkrete Kinder oder Jugendliche einer Pfarre anzunehmen, wie ich das jahrelang in Breitenfeld getan habe. Und ich bin mir sicher, dass man das beispielsweise bei berufenen Jungschar- oder Ministrantengruppenleiter/innen mit der Zeit sehr deutlich spürt.

Berufen - etwas Besonderes?

Nein und Ja!

Nein in dem Sinne, dass nur einige Wenige von Gott gerufen sind - sozusagen der "Sonderanruf" Gottes per Hotline für besondere Dienste (wo dann natürlich sofort wieder an das Priestertum gedacht wird).

Ja, weil jeder - so bin ich überzeugt - wirklich seinen besonderen Ruf von Gott hat, seine ihm zur Wahl stehenden Lebensmöglichkeiten, durch die Gott ihn in ein erfülltes Leben führen will. So erlebe ich mich als von Gott gerufen, dass ich Pfarrer geworden bin (übrigens der für mich schönste Beruf, den ich mir denken kann - aber deshalb keineswegs der "eigentliche" Beruf für alle). Andere werden sich wenn sie ehrlich auf IHN hinhören in andere Berufe, Lebensumstände oder Aufgaben berufen sehen - denn Gott ruft uns alle! Das einzig Wesentliche ist, auf seinen Ruf zu hören und diesem zu folgen - denn:

"Ich bin gekommen, dass ihr das Leben habt, und es in Fülle habt!" (Joh 10,10)

Pfarrer Mag. Gerald Gump,
Geb. 1969, seit September 1999 Pfarrer von Schwechat.

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Zur Ehe berufen (1)

Zur Orientierung: Mein Name ist Gerhard, ich bin 58 Jahre alt und bin seit 1969 mit Susanne verheiratet. Meine Volks- und Mittelschulzeit habe ich in Linz verbracht und Rechtswissenschaften in Wien studiert. Wir haben zwei erwachsene Kinder die beide verheiratet sind und zwei Enkelkinder.

Meine Kindheit und Jugend war geprägt von Gemeinschaft (Jungschar, Katholische Arbeiterjugend, Katholische Hochschuljugend, Mitglied einer Rennrudermannschaft, Tanzsportclub, etc), und auch von unzähligen Begegnungen und Herausforderungen, insbesondere, wenn junge Mensche, die mir anvertraut waren, für ihr Leben oder die Bewältigung einer schwierigen Situation bei mir Rat suchten. So musste ich mich schon in jungen Jahren mit vielen Facetten des Lebens auseinandersetzen, hatte viele Kontakte zu Seelsorgern vor allem in meiner Jugendarbeit und hatte auch einen persönlichen Seelsorger, mit dem ich viele Gespräche geführt habe. Aus diesen Gesprächen habe ich letztendlich auch ein Lebensmotto gewonnen, das für mich heute noch Bedeutung hat: Freude ist gelebte Liebe.

Ich war als Jugendlicher und Student ein sehr fröhlicher Mensch und bin es heute noch. In Fragen, die mir wichtig waren, mochte ich nicht oberflächlich sein. Ich suchte stets die Gemeinschaft und die Geselligkeit.

So war es für mich sonnenklar, ich will eine Familie. Meine eigene Familie war geprägt von Bescheidenheit, Neuanfang nach dem Krieg, die Mutter war ausschließlich für uns zwei Buben da, Traditionen wurden aufgebaut und gepflegt, ob Weihnachten, Geburtstage, verwandtschaftliche Zusammenkünfte oder Familienfeste, all das wurde und war mir wichtig auch für meine Zukunft. Mein Vater, ein hervorragender Pädagoge, dem ich es zu verdanken habe, dass aus mir etwas geworden ist, war in meiner Kindheit und frühen Jugend eher streng zu mir ( er musste es auch sein!), ließ rechtzeitig los und wir waren bis zuletzt, er starb leider vor Jahren, sehr gute Freunde. In seinem großen Fleiß, seiner Aufrichtigkeit und Geradlinigkeit, seiner stets wahrgenommen Verantwortung gegenüber der Familie ist er mir heute noch Vorbild. Zurück zur Berufung zur Ehe, die ich sehr ernst genommen habe. Ich habe meine Susanne in unzähligen Gesprächen in der Zeit unseres Kennenlernens manchmal ziemlich gequält, weil ich sehr viel wissen und ausdiskutieren wollte. Ich habe Susi in der Studienzeit kennen gelernt, ich hatte Glück nur studieren zu können, so dass ich noch relativ unbeschwert über meine Ansprüche an die Ehe nachdenken, sie formulieren und diskutieren konnte, wofür ich heute noch dankbar bin. Ich wollte meine künftige Frau so gut als möglich kennen lernen, es interessierte mich ihr Denken über wichtige Lebensfragen, es galt Gemeinsames zu entdecken um letztendlich einschätzen zu können. ob wir die Chance haben, ein ganzes gemeinsames Leben zu bewältigen. Wir sprachen über Familie, über die Mutterrolle, waren uns einig, dass Susi zu gegebener Zeit zu Hause bleibt, um unsere Kinder zu erziehen und das Zuhause zu gestalten. Es fanden sich viele gemeinsame Interessen, denen wir heute gerne noch nachgehen, wie Freizeitsport, Theater, Reisen etc.

Freilich gab es auch in unserem Zusammenleben hin und wieder Streitigkeiten. Unsere halbwüchsigen Kinder formulierten das eine oder andere Mal sehr deutlich ihr Unverständnis für unsere Blödheiten und schließlich ließ sich das sensible Gewissen auch nicht so leicht übertölpeln und wir fanden jeweils ziemlich schnell den Boden der Realität wieder.

Auch wenn es selbstverständlich ist, dass man im Rückblick immer gescheiter ist, so manches hätten wir besser machen können, so bin ich dennoch sehr, sehr dankbar wie es gekommen ist. So empfinde ich auch heute noch die Verantwortung für die Familie, Vorleben und Pflichterfüllung nicht nur im Beruf, auch in meinem Christ-sein als wichtige Säulen in meinem Leben.

Dr. Gerhard Ottenschläger

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Zur Ehe berufen (2)

Kerstin Böhm Dieter Böhm

Nennt mir zehn gute Gründe, warum Ihr heiraten wollt!, wurden wir von einem Freund bei Bekanntgabe unserer Hochzeitspläne gefragt. Zuerst durch diese Frage etwas befremdet, konnten wir sie doch im Endeffekt nicht übel nehmen. Man kann sich wohl sicher sein, dass einigen Menschen vorerst einmal mehr als zehn Gründe dafür einfallen würden, warum man nicht heiraten sollte! Als gläubiger Christ ist die Verantwortung, die man bei einer kirchlich geschlossen Ehe übernimmt, noch um einiges größer, gibt man doch das Versprechen vor Gott ab, immer beieinander zu bleiben, in guten wie in bösen Tagen, bis zum Tod. Und dennoch hätten wir unserem Freund - wäre uns das in der in dieser Art von Zwiegespräch erforderlichen Geschwindigkeit eingefallen - antworten können: Weil wir uns dazu berufen fühlen.

Wurzelt die Fähigkeit, eine ernst genommene und gelungene christliche Ehe zu führen, in einer gewissen Form von Selbstüberschätzung, oder ist sie eine echte Fähigkeit, die nur bestimmten Menschen mitgegeben wurde? Die erschütternd klare Statistik würde für Letzteres sprechen. Unsere Überzeugung ist jedoch, dass uns unsere Fähigkeiten von Gott mitgegeben wurden, und die Vorstellung besonders Befähigter nur zu einem gefährlichen Elitedenken führen würde.

Warum sind wir also zur Ehe berufen? Wir Menschen treffen im Lauf unseres Lebens viele Entscheidungen, als gläubige Christen auch innerlich vor Gott, und wir können sie nur jeweils in dem einen Moment unseres Lebens treffen. Dieser eine Moment entsteht aus vielen vorherigen Erfahrungen, unserem Elternhaus mit den Vorbildern gelungener Beziehungen, funktionierender Ehen, aus unserer Erziehung, unserem Umfeld und nicht zuletzt aus einer vorangehenden Zeit des Miteinander, in der man auch die Schattenseiten einer Beziehung, die unbequemen Seiten kennen lernt.

Die Beziehung zu Gott steht für uns Christen natürlich am Anfang jeder Beziehung. Gottes Liebe ist der Grundstein jeder Beziehung, jeder menschlichen Liebe, und die ist wie es im Römerbrief heißt die Erfüllung der Gesetze. Natürlich gibt es kein fix fertiges Standardrezept für eine gelungene Ehe, nach dem Motto: Man nehme viel Liebe, nicht zu wenig Leidenschaft, drei gemeinsame Abendgebete die Woche, einen Blumenstrauß im Monat und hin und wieder ein katholisches Eheseminar, rühre ständig kräftig und fertig ist die perfekte Beziehung inklusive dreier Kinder. Bei Schwierigkeiten oder unerwünschten Nebenwirkungen befragen sie Ihren Pfarrer oder Seelsorger. Natürlich ist eine gelungene Beziehung eine der vielen Herausforderungen, vor die uns Gott auf unserem Weg durchs Leben gestellt hat. Aber wie bei allen anderen Herausforderungen können wir uns auch da sicher sein, ER ist da für uns, ER begleitet uns mit unserer Berufung, so wie ER die Berufung der Geistlichen begleitet. Und so konnten wir vor nunmehr sechs Jahren den Schritt in diese Herausforderung, in diese Berufung hinein tun, in dem Bewusstsein, sagen zu können: Mit meinem Partner zusammen zu sein, das ist wie nach Hause kommen. Mein Partner ist mein Zuhause. Außerdem war es auch sehr wichtig für uns, "zu Hause", also in der Pfarre, mit der wir bereits jahrelang vorher verbunden waren, dieses schöne Fest zu feiern.

Was heißt also: "Berufen zur Ehe"? Welches Paar ist in diesem Sinne berufen?

  • Jedes Paar, das den Mut hat, die eigene Beziehung nicht dauernd auf ein Podest der Perfektion und des Vorbildes für andere zu stellen.
  • Jedes Paar, das ehrlich zueinander auch die schwarzen Flecken sieht und sich trotzdem am anderen freuen kann.
  • Jedes Paar, das sich beieinander zu Hause fühlt, jedes Mal auf's Neue.
  • Jedes Paar, das sich das Herzklopfen beim Anblick des anderen bewahrt.

Kerstin und Dieter Böhm

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