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Pfarre Breitenfeld — Themenformum — Pfarrblattartikel 3/2004

Pfarrblattartikel September-November 2004

Meditation - einfach zum Nachdenken

Reinhold Viehberger

Ein paar Gedanken.
Der Versuch einer objektiven Interpretation, was Meditation eigentlich ist.
Ein paar sehr persönliche Impressionen.

Die Meditationsangebote boomen. Mit Büchern, CDs, Kursangeboten befindet sich eine ganze neuentstandene Branche, der Handel mit Esoterik" im Höhenflug. Auf Plakaten preisen immer neue Gurus ihre persönlichen, einzigartigen Meditationsmethoden an. Ist dieser Bereich nur Yoga, autogenem Training und fernöstlichen Techniken zuzuordnen oder gibt es auch einen Zugang, der mit unserem christlichen Glauben vereinbar ist?

Grundlegend kann man zwischen zwei wesentlichen Stilrichtungen unterscheiden:

Unstrukturiertes Meditieren, bei dem unser Denken einfach nur in die Tiefe geht. Dabei gebrauchen wir, oft auch unbewusst, Konzentrations-hilfen, wie zum Beispiel die Stille eines Raumes, die beruhigende Harmonie eines unspektakulären Natur-erlebnisses, die Monotonie einer automatisierten Be-wegung - so lässt es sich bei einsamen Autobahnfahrten wie auch beim Joggen oft erstaunlich gut und tief denken.

Im Gegensatz dazu werden bei der mit einer Technik" angewandten strukturierten Meditation, Konzentrationshilfen bewusst erlernt, geübt und eingesetzt. Bei all diesen Meditationsarten wird versucht, mit hoher Konzentration den Geist auf ein isoliertes Zentrum zu richten. Es gibt unter anderem die Methode des Atemzählens. Alle Konzentration wird ohne weitere Gedanken zuzulassen, auf den eigenen Atem gerichtet. Bei der bildhaften Kontemplation soll nur ein Bild oder Gegenstand völlig erfasst werden. Auch hier sollen alle ablenkenden Gedanken ausgeblendet werden. Bei der Methode des Mantras wiederum richtet sich der Geist völlig auf Worte, Silben, teilweise auch auf Gebete. (In diesem Bereich überschneidet sich die christliche Gebetstradition, wie etwa beim Rosenkranzgebet mit den sonst eher fernöstlichen meditativen Methoden!)

Für mich scheint die strukturierte Meditation eher eine entspannende, den Geist erfrischende, aber doch unspirituelle Stilrichtung zu sein. Ich möchte damit nicht werten, da ich mich mit den entsprechenden Techniken nicht weitgehend genug beschäftigt habe! Subjektiv verbinde ich mit diesen Methoden eher ein Leeren" als ein Vertiefen. Mein persönlicher Zugang als optisch veranlagter Mensch zur Meditation ist eher der unstrukturierte. Mir geht es nicht um ein Konzentrieren auf etwas Äußeres, sondern über die oft unbewusste Konzentration suche ich den Weg zu mir selbst und hoffe, dabei über mich hinaus zu gelangen. Wie selten finde ich in der Flut der äußeren Ablenkungen und in den Anforderungen des Alltags schon die Gelegenheit zu mir zu kommen! Und doch, es gab und gibt diese Momente: In der Stille unseres Kirchenschiffes, wenn die Nachmittagssonne durch die Fenster leuchtet. Müde aber ruhig auf einem Felsen im Leuchten der untergehenden Sonne sitzend. Innehaltend im Anstieg auf einen mit Neuschnee bedeckten Berg bei herrlich leuchtendem Gegenlicht in den Schneekristallen. In solchen, seltenen Momenten sind mir tiefe, klare und konzentrierte Gedanken, ganz ohne Meditationstechniken, durch den Sinn gegangen und hängen geblieben. Sie haben mich nahe an das heran geführt, was ich ohne es sonst zu ahnen, vielleicht wirklich bin oder sein könnte. Ich glaube und hoffe, sie haben mich darüber hinaus in SEINE Nähe geführt.

Reinhold Viehberger

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"Vater unser" - ein Betriebssystem für die Kirche?

Monika Kolbe

(nach einem Artikel von Dr. Norbert Schuster, Das Vaterunser; Wie ein Gebet den kirchlichen Betriebsalltag irritieren könnte.)

Sie kennen den Begriff "Betriebssystem" sicher aus dem Computervokabular. Erst wenn das Betriebssystem installiert ist, können sie den Computer benutzen. Ohne Betriebssystem geht gar nichts. Unter diesem Blickwinkel hat der Pastoraltheologe Dr. Norbert Schuster aus Mainz, das "Vater unser" erforscht, analysiert, meditiert und in diesem Artikel veröffentlicht. Ich möchte ihnen diese Überlegungen nahe bringen.

Jesus lehrt den Aposteln dieses Gebet, als sie ihn fragen, wie sie beten sollen. Jesus selbst hat es gebetet, es ist Wort von Gott zu Gott. Die Sprache dieses Gebetes ist die Sprache Jesu, das Aramäische. Dieses Gebet gibt uns Jesus als "Programm" für die Kirche und die Menschen, die diese Kirche sind. Das "Vater unser" besteht offensichtlich aus zwei Teilen.

  • Vater unser im Himmel!
  • Geheiligt werde dein Name!
  • Dein Reich komme! (Das heißt:) Dein Wille geschehe! (Und zwar:) Wie im Himmel, so auf Erden!
Dieser erste Teil besteht drei Bitten. Es sind Visionen, Ziele die nicht von Menschen erarbeitbar, entwickelbar sind, sondern nur interpretierbar.

Der zweite Teil des Gebetes:

  • Unser tägliches Brot gib uns heute!
  • Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern!
  • Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen (Wahrheit der Verhältnisse)
lässt uns Menschen einen größeren Spielraum für Eigenentwürfe und Eigenbe-stimmungen. Wenn ich in der Einleitung des Artikels vom Betriebssystem gesprochen habe, stelle ich jetzt die Frage: kann das "Vater unser" ein Betriebssystem für unsere Kirche sein, d.h. eigentlich: muss das "Vater unser" nicht sogar zwingend das Betriebssystem unserer Kirche sein? Eine Organisation braucht eine Vision, eine Intention, ein Ziel und eine Aufgabe. Vision in der Hl. Schrift heißt: es "reißen die Himmel auf". Bei der Taufe Jesu öffnet sich der Himmel, der Geist Gottes kommt herab und die Stimme aus dem Himmel spricht: "Das ist mein geliebter Sohn". Intention das bedeutet das Feuer das in einem Menschen brennt, wofür er "sich verzehrt. Woraus lebt Kirche? Welchen Sinn hat sie? "Geheiligt werde dein Name - der Name Gottes, kein anderer. Um das zu tun was ihrer internen Bestimmung entspricht, braucht eine Organisation ein Ziel. In den Evangelien lesen wir, was das Ziel Jesu war: das Reich Gottes, "Dein Reich komme", jetzt und in der ausstehenden Zukunft. Seine ganze Energie bündelte sich auf dieses Ziel. Alles was Jesus sagt und was er tut ist Variante dieses Ziels. In der zweiten Hälfte des "Vater unser" nennt Jesus in den 3 Wir - Bitten Aufgaben, Schritte, die für das Erreichen des Zieles notwendig sind: Brot, Schuldenerlass und die Wahrheit der Verhältnisse. Das Brot ist und war Grundnahrungsmittel der Menschen - ohne Brot gibt es kein Reich Gottes. Muss das nicht für die Kirche heißen, sich voll einzusetzen für das Kommen einer Zeit, in der der Tisch für alle gedeckt ist. Das hat Priorität! Auf Schuld (en) kann kein Reich des Friedens gegründet werden. Darum muss der Teufelskreis durchbrochen werden, der Kreislauf: "wie Du mir, so ich Dir." Gott gewährt unermüdlich Schuldenerlass, er macht den Anfang, so auch wir...

Was heißt Wahrheit der Verhältnisse? "Und führe uns nicht in Versuchung" - über die eigenen Verhältnisse leben? - werden wollen wie Gott? - Gott spielen wollen? - die Verhältnisse auf den Kopf stellen. Wahrheit der Verhältnisse bedeutet das Streben des Menschen, jenes Wesen zu werden, das in ihm als Möglichkeit grundgelegt ist.

Wo aber sind nun wir in dieser Organisation Kirche mit dem Betriebssystem "Vater unser"? Schauen wir hin wo Jesu ist. Er ist dazwischen, nicht irgendwo hoch oben, mitten unter den Armen. Kranken, Frauen, Kindern, Prostituierten, Zöllnern, bei den Bußfertigen und Schuldbewussten seiner Zeit. Das heißt für uns: gefragt sind Menschen, die dazwischen sein wollen, Inter - esse an den Tag legen.

Dein Wille geschehe, nicht: mein. Das Wollen weißt die Menschen über sich selbst hinaus, von sich selbst abzusehen. Die Kirche soll Brückenbauer sein zwischen den beiden Polen Himmel und Erde, Transzendenz und Immanenz, das Jenseitige und das Diesseitige, ora et labora, contemplatio et actio - vor lauter Termindruck den rechten Augenblick nicht versäumen, bezeugen können woher sie das hat, was sie hat, um dem Evangelium auch angesichts unabwendbarer Veränderungen treu zu bleiben. Ich gebe zu, das Betriebssystem "Vater unser", kann kein Mensch erdacht haben, aber der, der es uns anvertraut hat, hat gewusst, das wir Menschen mit Grenzen und Schwächen sind und daher nur versuchen können, sein Programm Schritt für Schritt zu verwirklichen.

Mag. Monika Kolbe, Pastoralassistentin

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