Pfarre Breitenfeld — Themenformum — Pfarrblattartikel 4/2004 |
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Pfarrblattartikel Dezember 2004 - Februar 2005Wenn Himmel und Erde sich berührenVor rund zweitausend Jahren ereignete sich im heutigen Israel ein Wunder das wie ein Komet eingeschlagen hat: In der Nähe von Bethlehem lagerten Hirten auf freiem Felde und hielten Nachtwache bei ihrer Herde. Da trat ein Engel Gottes zu ihnen, und sein Glanz umstrahlte sie. Die Hirten fürchteten sich sehr, der Engel aber sagte zu ihnen: Fürchtet euch nicht, denn ich verkünde euch eine große Freude, die allen zuteil werden soll: Heute ist euch in Bethlehem der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr. (Lukas 2,8-11) Gott ist Mensch geworden...Diese Wahrheit, die die ersten Christen in die Welt trugen, hat die Menschen getroffen. In der Antike glaubte man an eine vollkommene, himmlische Welt der Götter und eine Irdische die aus dem Götterkampf entstanden ist. Die irdische Welt war eine Art Abfallprodukt. Darunter gab es nur noch die Unterwelt, die Hölle. Es gab es keine Liebe der Götter zu den Menschen. Die Liebe galt als Regung der Unvollkommenen. Alles Leibliche am Menschen war ekelhaft. Zwar hatte der Mensch einen Geist, der auf die Götter schauen könnte aber sein Körper, voller Schwäche, war dem Verfall preisgegeben. Im jüdischen Glauben waren der Mensch und die Welt gut. Er hat sie erschaffen. Er wollte sie. Doch hatte sich der Mensch vom Satan verführen lassen und sich von Gott abgewandt. Gott bleibt zwar voller Erbarmen und Liebe zum Menschen. Er spricht zu seinem auserwählten Volk und begleitet es. Aber der Allmächtige bleibt weit oberhalb des Menschen. Dann geschah das Wunder: Gott kommt in diese gottferne Welt. Er wird von einer Frau geboren. Das ist unvorstellbar. Das Unendliche geht in das Endliche ein. Der Allmächtige, der alles geschaffen hat wird ein einfacher, hilfloser Säugling. Angewiesen auf seine Mutter Maria und Josef, einen Zimmermann. Gott kommt so in die Welt, dass Menschen ihn finden und berühren können. Wir müssen die Welt und unser Menschsein nicht verlassen um Gott zu begegnen. Gott gibt uns Menschen die Möglichkeit ihm zu begegnen ohne das wir etwas Großartiges können oder ein spiritueller Meister sein müssen. Er macht sich klein damit wir in Beziehung zu ihm treten und seine Herrlichkeit schauen können.
Maria aber bewahrte alles was geschehen war in ihrem Herzen und dachte darüber nach. (Lukas 2,19)Sie war von etwas Wunderbarem ergriffen worden und wollte es in ihrem Innersten bewahren. Sie hat Himmel und Erde berührt und zusammen gebracht. Aus der "Weihnachtspredigt des hl. Franz von Assisi":
Alexandra Kolbe Unsere Eindrücke aus Greccio/ItailenAssisireise 2004Bewegen Sie die Maus auf die Gedanken...
Erste Weihnachtsfeier in der Grotte zu Greccio; Franziskus Wunsch wurde über alle Erwartungen erfüllt. In jener Nacht zum 25. Dezember 1223 waren die Höhle und das Tal mit Lobgesängen erfüllt. So feierte Franziskus mit den Bauern und Mitbrüdern die erste Mitternachtsmette. Alles hier erinnert an die Bescheidenheit der Menschwerdung und Geburt Jesu. Genau so habe ich es auch heute gespürt.
Krippe - schön und erbaulich - Wie kann ich vor einem Gott Angst haben, der mir in der Gestalt eines Kindes begegnet? Einer von uns - Menschwerdung Die erste Weihnachtsfeier der Menschen von Greccio mit Franz von Assisi stelle ich mir sehr feierlich und wunderbar vor - Kerzen, Fackeln, Gesänge, Gebete im Widerhall von Felsen und Wäldern. Es gibt für alle Völker eine eigene Krippe, man sieht, Weihnachten mit der Geburt des Jesuskindes beeindruckt alle es ist ein Zeichen, dass wirklich etwas Großes hinter diesem Ereignis stehen muss - eben Gott!
Biblia pauperum - Ich kenne viele Krippen. Man sieht sie in Kirchen, Krippenausstellungen. Aber der Ort und die Einfachheit der Darstellung auf dem Fresko, haben mich ganz besonders beeindruckt. Vor vielen Jahren verlor ich meinen Kinderglauben, doch versunken in die Betrachtung der Krippe hier in Greccio - in der Einfachheit der Umgebung - fand ich ein Stück davon wieder. Es hat mich tief erschüttert, neben den vielen Krippen die Figur des weinenden Franziskus zu sehen. In Greccio, abgelegen und hoch oben am nackten Felsen, stellte also Franziskus nach, wie Jesus armselig außerhalb der festen und sicheren Siedlung in die Welt voll Sorgen, Leid und Heilerwartung geboren wurde. Nicht in einer prächtigen Burg, nicht innerhalb der Stadtmauern eines Handelszentrums, nicht im bunten Treiben einer Hauptstadt. Nur wenige Hirten, einfache Leute, und erst später die Weisen aus dem Morgenland fanden die Geburts- stätte. Und auch in Greccio des Jahres 1223 werden es nicht die reichen Kaufleute oder Machthaber gewesen sein, denen Franziskus mit seiner Krippenfeier die Heilbotschaft verkündete. Doch wie können wir Bewohner einer lauten, pulsierenden, hektischen, fast nie mehr zur Ruhe kommenden, um Standortvorteile ringenden, marktschreierische jede Stille übertönende Großstadt eine Vorstellung des Weihnachtsgeheimnisses bekommen? Spüren wir diese Botschaft auch in Häuserschluchten, Einkaufsstraßen und Verkehrshöllen? Krippen aus aller Welt zeigen fast immer Dorf- oder Mittelalterstädte-Szenarios, seltener biedermeierliche Wohnzimmeridyllen, noch seltener Kleine-Leute-Milieu-Studien des 20. Jhs, doch nie das grelle, grausige brutale, religiös verarmte Heute. Die Weihnachtsstorys nur Kitsch und Nostalgie? Wie und wo würde heute ein frommer Mensch wie Franziskus die Krippenfeier nachstellen, um uns die Botschaft von der Geburt des Erlösers mit allen Sinnen erfahren zu lassen? Mitten auf einer Gürtelkreuzung als grelle Lichtshow? Oder am Stephansplatz mit Raketengeknalle und Pummeringeläut? Oder gar in der Lugner City mit Ochs und Esel, Schafen und Engelsgesang? Doch wer weiß, ob es nicht auch heute sinnlos wäre, den Lärm der Geschäftigkeit zu übertönen und diejenigen zu überrumpeln, die Gott nicht sowieso schon suchen. Doch vielleicht hören wir die Botschaft im Asylantenheim, im Krankenhaus, in der Wohngemeinschaft für Behinderte oder in der Obdachlosen- station unter der Gürtelbrücke und auch in unserer Kirche, nicht weit vom Stadtbahnbogen und dem Hl. Franz von Assisi geweiht. Stall - Ochs - Esel - Krippe - ein Kind - die Nacht vom Fackelschein erhellt - lautes Singen - Jubeln. Franziskus kniet vor dem Kind - so stelle ich mit Weihnachten vor.
Beim Anblick Maria lactans: Jedes Knie muss sich beugen vor der Größe unseres Herrn, der als kleines Kind in diese Welt kam; Franziskus hat das gespürt und es auch vorgelebt. Halleluja.
Die Teilnehmer der Assisireise 2004 |
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