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Pfarre Breitenfeld — Themenformum — Pfarrblattartikel 2/2005

Pfarrblattartikel Juni-August 2005

Heilige Menschen

Marcelo C. Sahulga Wer und was sind heilige Menschen? Was haben sie mit mir heute zu tun? Haben sie mir auch etwas zu sagen?" Was ist das für eine Gemeinschaft von Heiligen, zu der wir uns im Glaubensbekenntnis bekennen?" Ich habe zu dieser Frage eine Geschichte gefunden: Daniela ging mit ihrem Vater einkaufen. Auf dem Weg zum Markt kamen sie an einer Kirche vorbei. Daniela sah die großen Kirchenfenster und sagte: Vater, schau mal, sind diese Fenster aber dreckig, die sehen gar nicht schön aus. Der Vater sagte kein Wort, nahm Daniela an der Hand und ging mit ihr in die Kirche hinein. Drinnen waren die Fenster, die von außen grau und schmutzig aussahen, plötzlich strahlend bunt und leuchteten in den hellsten Farben. Da staunte Daniela und besah sich die Fenster ganz genau. Vorne über dem Altar war ein auffallend schönes Fenster mit vielen Heiligenfiguren; durch eine Figur strahlte gerade die Sonne, so dass sie besonders hell war. "Vater, wer ist das da vorne?", fragte Daniela. Antwortete der Vater, "das ist eine Heilige." Ein paar Tage später war Religionsunterricht in Daniela Klasse. Da fragte der Religionslehrer: Wer von euch kann mir sagen, was ein Heiliger, eine Heilige ist? Großes Schweigen. Da zeigte Daniela auf und sagte: Ich weiß es: Ein Heiliger ist ein Mensch, durch den die Sonne scheint. "Heilige sind Menschen, durch die die Sonne scheint." All diese Frauen und Männer haben auf ihre Weise versucht heilend zu leben, heil bringend mit anderen Menschen umzugehen. Diese Haltung wurde für sie zum Lebensprogramm. Ich denke an einen Martin, an eine Elisabeth, an einen Franziskus, die andere Menschen in ihrer Not nicht übersahen. Ich denke an einen besonders sympathischen Heiligen, Filippo Neri, der von 1515 – 1595 in Rom lebte. Wer war Philipp Neri? Ein Gaukler oder ein Mystiker? Ein Stadtstreicher oder ein Wundertäter? Ein gottbegnadeter Seelenführer oder einfach ein Witzbold und Spaßvogel?... Er war all das zusammen – und noch viel mehr. Er war ein fröhlicher Christ, der seinen Glauben lebte und gleichzeitig keinen Moment zögerte, er selber zu sein. Warum ermutigt mich eine derartige Lebensgeschichte? Einmal weil sie mir Mut zur Freude und zum Humor macht. Gerade wir Christen bringen unsere Botschaft, die wir Froh-Botschaft nennen, viel zu einseitig mit meist tiefgehenden und belastenden Gedanken und dar. Wenn wir mehr fröhliche als komische Heilige wären, würden unsere Kirchen wieder voller und nicht leerer werden. Unsere Zeit braucht Menschen, die die Frohe Botschaft in ihrem Leben umsetzen. Menschen, die sich mit Zivilcourage einsetzen für Gerechtigkeit, die nicht wegsehen, wenn Unrecht geschieht, sondern den Mund auftun, um das Unrecht beim Namen zu nennen. Ich denke dabei an Maximilian Kolbe. Auch denke ich an Nikolaus von Flüe, einen Einsiedler und Friedensstifter. Nach einem erfüllten Leben mit seiner Familie bekehrte er sich zu einem Leben ganz für und mit Gott. Aus ihm wird der Einsiedler Bruder Klaus, zu dem viele Menschen hinpilgerten und ihn um Rat fragten. Jeder Mensch braucht Platz und Freiraum um zu leben. Dies dem anderen zuzugestehen und den Mensch und seine Bedürfnisse als solche zu akzeptieren und zu tolerieren, diese Haltung macht den Bruder Klaus zu einem der bedeutendsten Heiligen der Schweiz. Das sind einige "heilige Menschen" durch die die Sonne scheint.

Kaplan Marcelo Sahulga

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Was ist einem Pfadfinder heilig?

Alles, Nichts - oder?

Zuerst muss man sich die Frage stellen, was versteht man unter "heilig"? Nach meinen Begriffen ist heilig etwas Unantastbares, etwas Unerklärbares, etwas von dem eine religiöse oder mentale Kraft ausgeht!

Da die Pfadfinder weder einer bestimmten Religion noch einer politischen Richtung angehören und bei uns die Jugendlichen über die Themen bestimmen, die behandelt werden, gibt es auch fast nichts, das unangetastet bleibt!

Vor diesem Hintergrund gesehen ist einem Pfadfinder ( Pfadfinder als Organisation und nicht als Einzelperson) bis auf "das Leben" nichts heilig!

Und doch ist es nicht so einfach wie es auf den ersten Blick scheint! Wie bei jeder anderen Gemeinschaft, gibt es auch bei den Pfadfindern Richtlinien, an die sich jeder halten soll und eine davon lautet, "Der Pfadfinder achtet alle Menschen, und versucht sie zu verstehen"! Dieser kleine Satz rückt alles in ein anderes Licht! Indem ich meine Mitmenschen zu verstehen versuche, muss ich auch akzeptieren, dass jedem etwas heilig ist! Es ist natürlich nicht immer möglich alles zu verstehen und doch sind wir verpflichtet gerade diese Themen mit Respekt und ohne Vorurteile zu behandeln!

Denn was für einen anderen heilig ist, darf für mich nicht lächerlich sein!

Gut Pfad
Thomas Haider

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Reliquien

Alexandra Kolbe Anlass, mich mit diesem Thema zu beschäftigen war meine Reise nach München im letzten Herbst. Nach einem lustigen Tag auf dem Münchner Oktoberfest habe ich unter anderem die Münchner Residenz besichtigt. Dort gibt es eine kleine private Kapelle. Der Boden ist aus bunten Marmor und Schmucksteinen, an der Decke und den Gewölben goldener Stuck auf lapislazuliblauen Grund. Schränke aus Ebenholz flankieren den prächtigen Altar. In der so genannten "Reichen Kapelle" wurde die Reliquiensammlung der bayrischen Herzoge, die ein paar Räume weiter zu besichtigen ist, aufbewahrt. Vor allen Wilhelm V. und sein Sohn Kürfürst Maximilian hatten die Reliquien gesammelt um sich und dem Volk das Heil Gottes zu sichern. Da war der Schädel Johannes des Täufers in ein "Etui" eingenäht oder ein kleiner silberner Glasschrein, wo die wertvoll angezogenen Gebeine der Opfer des Kindermordes ausgestellt waren. Es war absolut unverständlich für mich, dass Menschen diese Knochen anbeten wollten. Und wer glaubt schon, dass sie überhaupt echt sind? Mit all den Splittern vom Kreuz, die es gibt, könnte man wahrscheinlich ein Haus bauen. Die Vorhaut Christi hat sicherlich keiner aufgehoben. Dass Johannes der Täufer zwei Köpfe hatte, erscheint mir auch eher unwahrscheinlich. Also was ist da dran? Was sollte all der Prunk? Wäre den Menschen mit diesem Geld in anderer Form nicht besser gedient gewesen? Hätte das dem Willen Gottes nicht viel eher entsprochen? Am Anfang, bei den ersten Christen, sind die Gräber der Märtyrer sicher nicht in Erinnerung geblieben. Der Begräbniskult und Ort richtete sich nach der Umgebung. Erst in der Mitte des zweiten Jahrhunderts errichteten die größer gewordenen Gemeinden eigene Begräbnisareale außerhalb der Stadt wie zum Beispiel die Katakomben in Rom. Märtyrer und auch Asketen wurden besonders geehrt. Man besuchte die Gräber, zündete Lichter an und baute unter Konstantin schließlich Kirchen über die heiligen Gräber. Die Menschen wollten dort beerdigt werden, um die besondere Fürsprache dieser Heiligen zu erlangen. Erst später, als sich das Christentum immer weiter ausbreitete, begann man die Gebeine zu teilen und dort zu bestatten bzw. auszustellen wo Kirchen und Altäre neu gebaut wurden. Die Menschen glaubten an eine zweifache Gegenwart der verstorbenen Heiligen. Die Seele war bei Gott im himmlischen Jerusalem. Der Leib aber war bis zum Jüngsten Gericht im Grab. Der Heilige blieb real anwesend. In den irdischen Überresten blieb Gottes besondere Kraft. Sie waren mit der himmlischen Segensmacht, dem virtus, erfüllt. Legte man Tücher oder Blumen auf die Gebeine, waren auch diese mit dem virtus voll gesogen und konnten so wie die sterblichen Überreste des Heiligen Wunder wirken. Die Menschen dieser Zeit lebten in ungesicherten Verhältnissen. All das, was man sich nicht erklären konnte, musste von Gott kommen. So war ein Blitz zum Beispiel immer Strafe Gottes für begangene Vergehen. Durch die himmlische Segnensmacht der Reliquien konnten sie jede Not lindern. Reliquien waren wie nichts sonst in der Lage, den Menschen zu helfen. Und wenn man schon keine eigene haben konnte wollte man sie zumindest anbeten können. Die Menschen berührten und küssten sie um so den Segen zu erlangen.

Natürlich waren Reliquien auch Instrument politischer Machterhaltung. Man nahm sie mit in die Schlacht. Könige legitimierten ihre Herrschaft durch sie. Die reale Anwesenheit der Heiligen in den Reliquien hatte die Folge, dass die Menschen persönliche Beziehungen zu ihnen aufbauten. Sie hatten bei gerichtlichen Verhandlungen eine Stimme. Sie konnten ihren Willen durch Zeichen Gottes zeigen. Man schwor Eide auf Reliquien. Man ging sogar soweit sie für erfolgte Hilfe zu loben, oder sie zu beschimpfen und durch Wegsperren zu bestrafen wenn sie Schutz verweigert hatten. Oft wurden Reliquien gestohlen mit der Rechtfertigung, dass es der Wille der Reliquien selbst gewesen sei. Sie waren nicht gut gehütet oder vernachlässigt worden.

Die Gier der Menschen veranlasste Franz von Assisi, auf seiner letzten Reise einen Umweg zu machen um in Perugia nicht zum Reliquienobjekt zu werden. Bei der Aufbahrung der Heiligen Elisabeth von Thüringen wurden ihr die Tücher vom Leib gerissen. Die Anwesenden schnitten ihr die Nägel, einen Finger und die Brustwarzen ab. Bischof Hugos von Lincoln ließ sich bei einem Besuch im Kloster Fécamp, in Frankreich, den Arm der Maria Magdalenas zeigen, trennte dann die Seidenverhüllung ab und biss hinein um so einen Teil zu bekommen. Das es bei der Macht, die der Reliquienkult besaß auch zu Missbrauch kam versteht sich von selbst. Auch den Bischöfen und Päpsten des Mittelalters war das klar. Man bemühte sich ein Verzeichnis bestehender Reliquien zu erstellen und die Echtheit zu prüfen. Als Sicherheit galten beglaubigte Zeugnisse und im Zweifelsfall Gottesurteile und die Feuerprobe, da "echte" Reliquien nicht verbrennen. Im Letzen natürlich die Wunderheilungen. Doch was tat man, wenn, wie es ja der Fall war, in zwei verschiedenen Kirchen das Haupt Johannes des Täufers verehrt wurde? Was war mit den Menschen, die vor falschen Reliquien beteten? Nun, die Überlegung war folgende: Wer irrtümlich falsche Reliquien anbetet begeht keine Sünde und erleidet keinen Schaden. Im Gegenteil: Gott bringt den Irrtum wieder in Ordnung.

Hat sich meine Einstellung zum Reliquienkult durch die Beschäftigung mit dem Thema verändert? Stimmen der Kritik gibt es schon seit Beginn des Reliquienkultes und nicht erst mit der Reformation oder der Aufklärung. Dass es wichtiger ist, dem Vorbild der Heiligen im Herzen und im Leben nachzufolgen als ihre Knochen anzubeten erschien vielen sinnvoll. Und dass wir keine Fürsprecher vor Gott brauchen genauso. Wir können uns doch direkt an Gott wenden. Aber ich verstehe das Bedürfnis der Menschen Gott zu sehen und zu berühren. Irgendwelche Sicherheiten in seinem unsicheren Leben sucht doch jeder. Und vor den Gebeten der Menschen kann man doch nur Respekt haben. Wie schön dass unsere Kirche so vielfältig ist und für alle Raum hat. Für mich persönlich ist es nur Geschichte aber die Menschen damals brauchten es vielleicht. Ich denke, es gibt kein Richtig oder Falsch. Wichtig ist nur, ob ich mich Gott dadurch näher fühle und dass muss jeder für sich selbst entscheiden.

Alexandra Kolbe

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Assisi

Wolfgang Zischinsky Assisi - ein Name, der auf etwas hinweist, auf eine Geschichte, eine besondere Wirklichkeit und auf einen Heiligen. Der Franziskaner A. Rotzetter schreibt in seinem Buch "Franz von Assisi" in diesem Zusammenhang " Namen sind wie Sakramente". Wenn man diesen Namen hört, entsteht das Bild einer mittelalterlichen Stadt am Hang des Subasio, in der man auf Schritt und Tritt Spuren des Heiligen Franziskus erkennen kann. ER ist immer präsent. Wenn man sich darauf einlässt, dann bewegt sich in einem etwas. Franziskus war ein Kind des 12. Jahrhunderts und hat für diese Zeit gewirkt und gepredigt. Natürlich würde er heute für uns vieles anders machen und sagen. In seiner Grundaussage weist er immer auf Gott, das Evangelium und auf seine Mitmenschen:

"Wenn du die irdische Macht nicht liebst, wenn du dich vom Geld nicht unterkriegen lässt, wenn du dich nicht für besser hältst als die anderen, wenn du dich deinem Nächsten schenkst, wenn du zufrieden bist mit der täglichen Arbeit, wenn du Gerechtigkeit nicht nur von den Menschen erwartest, wenn du friedfertig bist, wenn du die Klarheit liebst und gottbegeistert bist – dann bist du schon im neuem Leben. Versuche es zu leben."
Der heilige Franz war eine radikaler Heiliger, der versuchte nach dem Evangelium zu leben, der aber auch fröhlich sein konnte. "Mir gehört nichts, ich brauche mich nicht zu sorgen und muss nichts verteidigen. Aber wenn ich durch die Landschaft gehe, genieße ich die Freiheit und die Schönheit". Er liebte die Natur, die Tiere und die Vögel, in der sich Gott offenbart (in der heutige Zeit wurde er zum Heiligen der Naturschützer). Er zeigte der damaligen Amtskirche eine andere Art, außerhalb des Luxus zu leben. Trotzdem blieb er aber in der Kirche und liebte sie als Vertretung Gottes auf Erden.

Assisi lädt uns ein zu kommen und den Spuren des Heiligen zu folgen. Man kann es nur persönlich erleben und man wird immer wiederkehren. "Kommt und seht".

Dr. Wolfgang Zischinsky

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