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Pfarre Breitenfeld — Themenformum — Pfarrblattartikel 3/2005

Pfarrblattartikel September-November 2005

Hallo Pfarre Breitenfeld!

Mein Name ist Mag. Katharina Kampl und ich werde ab 1. September eine 3/4 Stelle als Pastoralassistentin in der Pfarre übernehmen. Damit Sie sich schon ein Bild von mir machen können, habe ich mein kleines ABC zusammengestellt.

  • Anfang: jeder Anfang -auch dieser- bietet für mich neue Chancen und Möglichkeiten.
  • Bücher: ich bin und war schon immer ein Bücherwurm.
  • Katharina Kampl
  • Christin: das bin ich auch, selbst wenn's manchmal nicht einfach ist.
  • Dnken: hin und wieder grüble ich zuviel.
  • Ende: ist fast immer traurig, aber siehe A.
  • Freunde: sind für mich das A und O im Leben.
  • Geschwister: ich habe fünf davon, und bin die Älteste.
  • Hietzing: in dieser Pfarre habe ich ein Jahr lang als Pastoralassistentin i.A. gearbeitet.
  • Ist: ich versuche den Moment im Leben zu genießen.
  • Judenburg: von dort komme ich her.
  • Klinische Seelsorgerin: war ich ein Jahr lang ehrenamtlich im Wilhelminenspital.
  • Lebenszeit: 27 Jahre sind seit meiner Geburt vergangen.
  • Mediation: ich habe eine Ausbildung dazu.
  • Natur: ich liebe es, die Natur zu beobachten.
  • Ohne Zucker: so trinke ich meinen Kaffee.
  • Pferde: ein Glück der Erde liegt für mich auf dem Rücken der Pferde.
  • Querdenker: ich bin immer dankbar, solche Menschen zu treffen.
  • Reisen: ich halte mich gerne in fremden Kulturen auf.
  • Südafrika: dort war ich acht Monate für Forschungen zu meiner Diplomarbeit.
  • Theologie: habe ich fast immer mit großem Interesse studiert.
  • Uhr: ich besitze keine.
  • Vielfalt: soll und darf es auf der Welt geben, auch in einer Pfarre.
  • Warum: ich stelle manchmal zu viele Fragen (sagt man).
  • Xylophon: ich liebe gute Musik.
  • Yberraschungen: machen das Leben spannend.
  • Zufrieden: wer sich mit dem bisherigen noch nicht zufrieden geben will, darf mich gerne persönlich kennen lernen.

Mag. Katharina Kampl

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"Grüß Gott" Breitenfeld

Monika Kolbe Diesen Gruß kann man zur Begrüßung und auch zum Abschied sagen, ich möchte mich mit diesem Artikel als Pastoralassistentin von Breitenfeld verabschieden. Ab 1. September werde ich in der Pfarre Akkonplatz als Pastoralassistentin mit besonderen Befugnissen in einem Team mit zwei ehrenamtlichen Mitarbeitern und Moderator Hans Fischer tätig sein. Ich freue mich auf diese neue, spannende Aufgabe.

Zum Abschied möchte ich aber noch danke sagen, für die intensive Zeit, die ich hier mit und in der Pfarre Breitenfeld verbringen durfte. Seit 1988 fühle ich mich mit dieser Pfarre verbunden und immer mehr bin ich und auch meine Familie in die Gemeinschaft von Breitenfeld hineingewachsen. Vieles durfte ich hier erleben und lernen.

Danke möchte ich sagen all den lieben Menschen, die ich kennen lernen durfte, die meine Freunde wurden und die unser Leben so sehr bereichern.

Danke möchte ich sagen unserem Pfarrer Elmar Mayer, mit dem ich gleich bei unserer ersten Begegnung viele gemeinsame Interessen entdeckt habe und der mir und meinem Mann, so darf ich hoffentlich sagen, eine Freund geworden ist.

Danke möchte ich sagen für die vielen schönen Feste, die ich hier feiern durfte. Ein ganz besonderes Fest war der 17. Dezember 1994 als wir uns in der Pfarrkirche von Breitenfeld das Sakrament der Ehe spendeten. Bei dieser Feier habe ich gespürt, wie schön es ist, wenn man sich in einer Gemeinschaft geborgen und aufgehoben fühlen darf.

Danke sagen möchte ich auch für die Zeit als stellvertretende Vorsitzende im PGR. Der Höhepunkt dieser Zeit war sicher, als wir im Rahmen der 100 Jahr-Feiern die "Aktion Grüß Gott" durchführten. Wir haben überlegt: Schaffen wir das? Werden wir genug MitarbeiterInnen finden? Es wurde eine großartige Sache. Immer wieder muss ich betonen: nicht die, die wir besuchten waren die Beschenkten, sondern wir - durch die interessanten und oft berührenden Begegnungen, durch die teilweise sehr offenen Gespräche und auch durch die Gemeinschaft jener, die bei der Aktion mitmachten.

Danke sagen möchte ich dem lieben Gott, dass er meinen Weg hier hergeführt hat und mich so alles das Schöne erleben ließ, alles das lernen ließ, dass mich zu dem gemacht hat, was ich heute bin und kann.

Grüß Gott Breitenfeld - mit dem Bewusstsein, hier willkommen zu sein und Freunden zu begegnen.

Mag. Monika Kolbe

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"Warum lässt Gott das zu?"

(Eine evangelische Perspektive)

Susanne Heine Es war kurz vor 10 Uhr am 1. November 1755, als ein Tsunami, ausgelöst durch ein Seebe­ben, Lissabon zerstörte, 250 Jahre vor dem Beben im Indischen Ozean im vergangenen Dezember. Damals wie heute

"ließen es die Gottesfürchtigen nicht an Betrachtungen, die Philosophen nicht an Trostgründen, an Strafpredigten die Geistlichkeit nicht fehlen" (J.W. Goethe, aus: Dichtung und Wahrheit).
Wie damals kommt auch heute die Frage auf, warum Gott solche Katastrophen zulasse.

Aber bevor Gott als Täter bemüht wird, wären noch andere Aspekte wert, betrachtet zu wer­den. Denn es steht nirgends geschrieben, dass diese Erde eine behütete Wiege ist, in die das Leben uns auf Dauer bettet. Vielmehr ist sie ein dynamisches, lebendiges Gebilde, den Men­schen zur verantwortlichen Verwaltung aufgetragen. Dazu gehört, die Kräfte der Natur in den Griff zu bekommen (1 Mose 1,28). Tsunamis kündigen sich an, und das wussten die Naturfor­scher schon vor 250 Jahren; heute wissen sie es noch besser. Über solche Anzeichen nicht zu informieren, aus diesen keine Konsequenzen zu ziehen, geht nicht zu Lasten Gottes.

Damals in Lissabon wütete nicht nur die Natur, sondern auch "eine Schar sonst verborgner, oder durch dieses Ereignis in Freiheit gesetzter Verbrecher. Die unglücklichen Übriggeblie­benen sind dem Raube, dem Morde, allen Misshandlungen bloßgestellt" (J.W. Goethe). Und heute wird mit den Waisenkindern Handel getrieben. Es ist nicht leicht, die Willkür der Natur von der Willkür der Menschen zu unterscheiden. Die Gesetze der Natur sind da noch verläss­licher als die Gesetze, die Menschen um der sozialen Ordnung willen schaffen. Der Zustand dieser Welt gibt Rätsel auf.

Des Rätsels Lösung ist freilich kein "lieber Gott" als pflegeleichtes Schoßhünd­chen, mit des­sen Reaktionen wir durch den täglichen Umgang vertraut sind. Und doch hat er eine Antwort auf diese Ur-Frage nach dem Warum, allerdings eine andere, als zu erwarten war. Denn Gott ist nicht nur ein dunkles Rätsel, sondern zeigt sich auch, wie Martin Luther sagt, in "Windel und Krippen", als Mensch unter Menschen. Weder verschließt er die Augen vor menschli­chem Leid, noch sind ihm seine Geschöpfe gleichgültig. Deshalb will er in der Gestalt Christi mit uns durch Dick und Dünn gehen, uns nahe sein in allen Höhern und Tiefen eines Schick­sals und auch der Schuld, ohne vor der Grenze des Todes Halt zu machen.

Wir sollen daher, meint Luther, "nicht gen Him­mel gaffen", um dort nach klugen theoretischen Lösungen zu suchen, sondern nach unten schauen und den liebevollen Blick Gottes auf die Welt mit ihren bizarren Menschen nachvollziehen, sie gern haben, ihr beistehen. Was Menschen in ihrer Existenz und ihrer Seele hart trifft, wird selbst durch einleuchtendste Erklärungen nicht leichter, wohl aber dadurch, dass die Verzwei­felten Bekleidung und Nahrung erhalten und ein Dach über dem Kopf (Mt 25, 34-40), dass wir den Schuldigen ihr Daseinsrecht nicht streitig machen, dass wir in jedem Ende den Keim eines neuen Anfangs sehen und diesen Keim zum Wachsen bringen; und dass wir dieje­nigen, die Gott fluchen, nicht allein lassen und ihren Schmerz nicht in moralischen Vorwürfen ersticken.

Demgegenüber führt die bohrende Frage, warum Gott die natürlichen Übel und das menschli­che Böse in der Welt zulasse, warum er nicht ein­greife, und letztlich warum er die Menschen nicht bes­ser erschaffen habe, ins Gegenteil: in Verzweiflung und Wut, in Welt- und Men­schenverachtung. Was Menschen aus einer solchen Verachtung heraus einander an körperli­chem und sozialem Leid und an seelischen Torturen zufügen, ereignet sich tagtäglich und wesentlich häufiger als Tsunamis. Vielleicht können Katastrophen wachrütteln, um vor der eigenen Tür zu kehren statt vor der göttlichen Himmelstür.

Susanne Heine

Susanne Heine ist Universitätsprofessorin für Praktische Theologie und Religionspsychologie an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien und ordinierte Geistliche der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Österreich.

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Wie kann ER das zulassen?

Wolfgang Beilner So fragen angesichts grauenhafter Katastrophen wie etwa des Tsunami vom Dezember 2004 so viele Menschen, Gläubige, Ungläubige, Suchende, Verwirrte und Verstörte. Wer könnte diese Frage nicht verstehen! Und es gibt als Reaktion eigentlich nur stumme, verstörte Klage oder auch Aufbegehren. Wie uns das in der Heiligen Schrift im Buch Ijob vor Augen geführt wird.

Freilich, zweierlei sollten wir, die wir nicht direkt betroffen sind, doch bedenken.

Erstens - was machen wir um mögliche Hilfe zu geben? Wie lindern wir Leid? Durch unsere Betroffenheit, durch einfaches, stilles Zuhören, Mit-Ertragen des unermesslichen Leides, durch mögliche persönliche, durch mögliche materielle Hilfe.

Zweitens - wieviele andere in ihren Dimensionen vergleichbare Katastrophen ereignen sich ununterbrochen, wie etwa jährlich der Tod unzähliger Menschen durch Ver­hungern - und darin trägt nicht allein die Natur Schuld, sondern auch wir Menschen, da abzuhelfen sehr wohl in unserer Macht stünde.

Unsere Vorfahren haben es wohl begriffen, dass unsere Welt ein Tränental ist. Jesus betet am Kreuz zu seinem Vater "Mein Gott, mein Gott, warum hast DU mich verlassen". Zagend und ganz still dürfen wir Glaubenden uns einander versichern, dass dieser Jesus lebt, dass wir - alle Menschenkinder! - hier keine bleibende Stadt haben, aber dass am Schluss dieser unserer Menschenwelt, Gott sein wird alles in allem (1Kor 15,28). Damit letztendlich unsere so erstaunliche Hoffnung nicht zu armseliger Vertröstung verkommt - lasst uns helfen was möglich ist - auch in stillem, ratlosem Mitleiden.

Dr. Wolfgang Beilner

Wolfgang Beilner, Dr. theol., Dr in re biblica - O.Universitätsprofessor für Neutestamentliche Wissenschaft

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Fragen ohne Antwort?

Reinhold Viehberger

Wie kann ER das nur zulassen?

Was lässt er eigentlich zu? Tod, Leid, Schmerzen, Verlust. Sollte ER all das verhindern ? Oder geht es um das Überwinden, Weitergehen, "ans Ziel gelangen"?

Was ist das für ein "lieber Gott", der solches Leid zulässt?

Liebt ER uns nicht, nur weil all das zu unserer endlichen Welt gehört? Lieben wir unsere Kinder nicht, wenn ihnen Leid wiederfährt?

Womit haben diese armen Menschen das verdient?

Sind Tod, Leid, Schmerzen, Verlust denn willentlich Strafen für die Betroffenen? Da lenkt doch wohl kein - gütiger? - Gott die Natur gegen uns Menschen?

Was kann man angesichts solcher Schicksalsschläge überhaupt machen?

Heißt "Da kann man einfach nichts machen" nicht vielmehr: "Ich bin wie gelähmt und so erschüttert, dass ich gar nichts machen kann oder will." ? Etwas dagegen tun, etwas beitragen, so gut man es kann - das heißt nicht, man kann alles gutmachen, alles ungeschehen machen. Wenn man nur von Katastrophen, Leid und Schrecken hört - wie kann man da noch positiv denken und hoffen? Ohne Kälte wäre die Wärme nicht als Unterschied zu spüren. Ohne Nacht kein Tag. Ohne Leid keine Erlösung. Ohne Tod kein Leben.

Reinhold Viehberger

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Wo blieb die Vorsehung Gottes beim Tsunami? (Artikel Exklusiv im Internet)

Garcia-Cascales In Meulaboh an der Westküste von Sumatra erzählt ein alter Soldat: "Die Nacht vor der Meereskatastrophe trat eine Person mit einer weißen Kopfbedeckung (wie manche Imame sie tragen) in ein Lokal, etwa einen Kilometer entfernt vom Strand. Dort waren Leute, die nackt miteinander tanzten. Er sagte zu ihnen: 'Bitte, macht das nicht. Wenn ihr weitermacht, werdet ihr bestraft werden.' Dann ging er zum Meer und verschwand. Die Leute tanzten weiter wie vorher. In der Früh vernichtete sie das Meer."

Die Konsequenz ist klar: Allah hat sie bestraft, weil sie böse waren. Aber muss Allah, um diese "bösen Menschen" zu bestrafen, Zehntausende unschuldige Kinder und Zehntausende Eltern umbringen?

Ein Bild im Fernsehen mutete schockierend an: ein Muslim am Strand des Todes zeigt zum Himmel und ruft aus: "Die Macht kommt von oben! Wenn Allah uns bestraft hat, dann sind wir sicher schuldig."

Im indischen Nagapattinam nehmen es die Menschen ihrem hinduistischen Gott übel, dass er sie nicht vor der Flut gerettet hat. Mancherorts haben sie sein Bild aus dem Tempel geworfen.

Wie nach Auschwitz so auch jetzt nach dem Tsunami stellt sich die Frage, ob unsere Theologie nicht anders werden muss.

Die Frage verstummt nicht: ist ein Gott da, der über uns wacht? Wie konnte der Tsunami Menschen so grausam vernichten? Die Frage wird aber provozierender gestellt: wenn der Tsunami so viele Menschen grausam vernichtet hat, gibt es dann einen Gott, der über den Menschen wacht?

Am Dreikönigstag wurde Kardinal Christoph Schönborn aus Wien im Fernsehen diese Frage gestellt. Der Kardinal wich aus und gab auf die Frage direkt keine Antwort. Er weiß sicher, warum.

Doch die tief bohrende Frage ist jetzt virulent überall zu hören... eine alte Frage, so alt wie die Religionen, jetzt neu gestellt durch das apokalyptische Leid so vieler Menschen.

Schon Epikur fragte: entweder kann und will Gott das Übel, das Böse abschaffen: warum tut er es dann nicht? Oder Gott kann und will nicht helfen: wo ist die Güte Gottes? Oder Gott will es, und kann nicht: Ist das ein allmächtiger Gott? Oder Gott kann es nicht und will es auch nicht: das ist natürlich das Schlimmste (bei Laktanz zitiert, De ira Die 13). - Und der christliche Philosoph Boëthius im 6. Jahrhundert sagt:

"Wenn es keinen Gott gibt, woher kommt das Gute...? Und wenn es einen Gott gibt, wieso gibt es das Böse?"

Auf diese Frage hat niemand eine Antwort gefunden.

Und auf die existentiell schmerzliche Frage der Menschheit, warum das Übel, warum Krankheit und Tod, warum das Böse, wenn jemand die Möglichkeit hat, es abzuschaffen... Gott... Allah..., scheinen die meisten Vertreter der Religionen zurückzuschrecken und trauen sich nicht, diesen Stier bei den Hörnern zu packen.

Diese Frage droht jeden Glauben zu vernichten. Selten wird man es so ehrlich ausgedrückt haben, wie Kardinal Walter Kasper in seinem Buch "Der Gott Jesu Christi":

"Diese Erfahrungen unverschuldeten, ungerechten Leidens sind ein existentiell viel stärkeres Argument gegen den Gottesglauben als alle erkenntnis- und wissenschaftstheoretischen, alle religions- und ideologiekritischen wie sonstigen philosophischen Argumente. Sie sind der Felsen des Atheismus." (S.199-200)
Auch Albert Camus sagte: "Solange ein unschuldiges Kind leidet, kann ich nicht an Gott glauben."

Und nun darf ich in Ichform reden: Auch ich habe schon längst den Glauben an einen solchen "Gott" verloren. Und wenn schon Religionen verbieten, Bilder von Gott herzustellen, ist das nicht ein Aufruf, auch gedanklich sich kein Gottesbild zu schaffen nach eigenen Maßstäben? Natürlich habe ich dann einen anderen Gott gefunden, von dem ich nichts anderes weiß, als dass er Geheimnis ist, sogar schmerzliches Geheimnis, das ich nicht annehmen will, das aber da ist, und mit dem ich konfrontiert werde, und mit dem ich mich konfrontieren muss. Das Schlimme ist, dass dieses große Geheimnis schweigsam ist.

Aber meinen Glauben kann ich nicht verlieren, denn mein christlicher Glaube, der Glaube, den ich von Christus gelernt habe, ist Liebe. Und so absurd es klingen mag, die tiefsten Wurzeln der echten Liebe verlieren sich in der Unendlichkeit dieses letzten Geheimnisses.

Ich liebe! Und konfrontiert mit dem Absurden liebe ich weiter! Ich liebe nicht "quia - weil - absurdum" (vgl. Kierkegaard), sondern "contra absurdum".

Merkwürdig: Im ganzen Evangelium stellt sich Christus unsere philosophisch-existentiell unerträgliche Frage nicht. Und wenn man ihn fragt, wer Schuld am Leiden wäre, dann lautet seine Antwort, dass es darum geht, durch die Hilfe, unsere Hilfe zur Heilung Gott Ehre zu erweisen. Merkwürdig auch, dass Christus auf die Hilfe der Menschen hinweist, wenn Menschen Hilfe brauchen. Und das Matthäus-Evangelium lässt Christus als letztes Gericht sagen:

"Ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben, und ich war nackt, und ihr habt mir Kleidung gegeben..." und "was ihr dem Geringsten meiner Brüder und Schwestern getan habt, das habt ihr mir getan."

Mitten im schmerzlichen und undurchdringlichen Geheimnis will also Gott in der Liebe der Mitmenschen gefunden werden.

Vielleicht drückt diese Tatsache aus dem Leben mein Vaterunser aus, das ich vor einiger Zeit für die Zeitschrift "Publik Forum" zusammengestellt habe:

Vater unser?

Vater unser? Im Himmel? Warum nicht "Mutter unser"? Und warum nicht auf unserer Erde?

Kann ich aber deinen Namen "Abba-Papa" - wie Jesus dich rief - für heilig erklären, wenn du menschenvernichtende Vulkane tatenlos explodieren lässt?

Und kann ich dich als "Mutter-Mama" preisen, nachdem du so vielen Kriegen zwischen den Menschen - sogar zwei Weltkriegen - stillschweigend zugeschaut hast?

Was soll ich mit dem Wort anfangen: "Dein Reich komme"?

Und doch: Als mein irdischer Vater von Anarchisten erschossen wurden, und ich als junger Bursche meiner Mutter Rache versprach, da lernte ich dich "Mama" nennen!

Sie sagte zu mir: "Du wirst die Mörder deines Vaters sogar zart lieben, wie ich dich jetzt liebe!"

Und sie küsste mich und umarmte mich und streichelte meinen Kopf.

Du, als meine "Mama", hast doch nicht geschwiegen und bist nicht tatenlos geblieben.

Meine Freunde, die Kuna-Indios in der Karibik, zeigten mir väterliche und mütterliche Liebe!

Ich lernte von ihnen, dich immer "Paba-Nana" - Papa-Mama zu nennen, ohne die zwei Worte jemals zu trennen.

Diese Indios zeigten mir, was es heißt: "Wie im Himmel so auf Erden"!

Nein, dann verstand ich es: "Wie auf Erden so im Himmel".

Amen.

Pater J. Garcia-Cascales

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