Pfarre Breitenfeld — Themenformum — Das Wort des Pfarrers 1/2004 |
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Ausgaben:Das Wort des Pfarrers (1/2004)
Ein Bild von JesusVor einiger Zeit hat eine Zeitschrift rekonstruiert, wie Jesus ausgesehen haben könnte. Gleichgültig von welchen Motiven die Rekonstruktion ausging, zeigt der Versuch doch den tiefen Wunsch zu wissen, wie dieser Jesus von Nazareth ausgesehen haben mag. Seit der Entdeckung des Grabtuchs von Turin wird das darauf sichtbare Gesicht von vielen als authentisches Antlitz Christi angesehen. Welche Vorstellung hatte man früher? Es gibt unzählige Darstellungen von Jesus, die von der jeweiligen Zeit beeinflusst waren. Aus der Verfolgungszeit des frühen Christentums, stammen die ältesten Darstellungen. Sie sind in den Katakomben zu finden und zeigen Jesus als den guten Hirten, der das hilflose Schaf auf seinen Schultern in Sicherheit bringt. In dieser Zeit wurde Jesus als der Helfende und Rettende angesehen der seine bedrängten Gläubigen in Sicherheit bringt. (Ruhe und Geborgenheit waren die großen Anliegen dieser Zeit.) Das oströmische und das weströmische Reich entwickelten sich ab dem 4.Jhdt. auf völlig verschiedene Weise. Das oströmische Reich erlebte einen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Aufschwung während das weströmische Reich durch die Völkerwanderung einer Katastrophe entgegenging. Dementsprechend entwickelt sich auch die Darstellung von Jesus. Im byzantinischen Reich blieb das Bild des "Pantokrator" erhalten. Nachdem Untergang des weströmischen Reiches tritt der leidenden Christus in den Vordergrund. Es entsteht die Darstellung der "Pieta", der Mutter, die ihren toten Sohn in ihrem Schoß hält. Aus der Romanik kennen wir viele realistische Bilder und Skulpturen der Kreuzigung. In der Gotik wir Christus als Fürst inmitten seines Hofstaates, der Apostel, Evangelisten und Heiligen gesehen. Sehr schön ist eine derartiges Relief am Riesentor von St. Stephan zu sehen. Große Umwälzungen in der Kunst zeigen sich in der Renaissance. Es setzt sich das Ideal des "schönen" Körpers durch. Ich erinnere an die weltberühmte Darstellung des Jüngsten Gerichts von Michelangelo in der Sixtinischen Kapelle. Die Ideale in der Kunst wandeln sich weiter und finden einen weiteren Höhepunkt im Barock. Der Himmel zeigt sich als farbenfroher barocker Hofstaat rund um Christus als Herrscher. Biedermeier und Historismus finden wieder Gefallen am edlen Jesus, der mit Locken und gepflegtem Bart mit seinen Jüngern durch das Ährenfeld schreitet. Die beiden Weltkriege lassen wieder den leidenden Christus in den Vordergrund treten, der im Kriegsleid seinem Volk beisteht. Heute sehen wir Christus eher als unseren Bruder und Freund, der in allen Situationen unseres Lebens, in unseren Ängsten und Freuden bei uns ist. "Herr, mein Bruder" lautet der Anfang eines Liedes, das uns junge Studenten in den sechziger Jahren begeistert hat. Selbstverständlich überschneiden sich die Darstellungen über die Jahrhunderte hinweg und müssen es wohl auch tun, denn das Auf und Ab in der Geschichte, Höhepunkte und Niederlagen der Kirchengeschichte und des Menschen ziehen sich unabhängig von Kunstrichtungen durch die Zeit. Unbestritten aber ist, dass die Vorstellung, die die Menschen von Jesus haben, eng verbunden ist mit ihrem Schicksal und ihrem Verständnis. So nehme ich an, dass sich meine Vorstellung wohl auch von den Vorstellungen anderer unterscheidet und ich finde es beruhigend, mein Bild und meine Vorstellung haben zu können. Ihr Pfarrer Elmar Mayer |
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