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Pfarre Breitenfeld — Themenformum — Das Wort des Pfarrers 2/2004

Das Wort des Pfarrers (2/2004)

Wie es dazu kam...

Immer wieder werde ich gefragt, wie es dazu gekommen ist, dass ich den Beruf eines Priesters ergriffen habe. Ebenso oft höre ich, dass der Beruf eines Priesters Berufung sei. Die Leute, die mich so fragen, muss ich enttäuschen, denn ich kann beim besten Willen mit keinem markanten Berufungserlebnis aufwarten. Keine Eingebung, kein Traum, kein plötzlicher Entschluss hat mich zu meiner Entscheidung gedrängt - sie ist langsam über Jahre gewachsen.

Meine Eltern, vor allem mein Vater, hatten während der Kriegszeit und danach engen Kontakt mit der Pfarre Canisius die von Jesuiten betreut wurde. Ebenso mit Priestern des Salvatorianerordens. Oft waren Ordensgeistliche bei meinen Eltern zum Abendessen eingeladen. Dabei wurden Gespräche über Kirche, Glaube und Liturgie geführt. Dementsprechend war mir der Beruf eines Priesters von Kind an vertraut und nichts Ungewöhnliches. In der Unterstufe des Gymnasiums in Wien war ich ein mäßiger Schüler. Ich kann mich nicht erinnern, ob es mein Vorschlag oder der meiner Eltern war, in die Oberstufe des Hollabrunner Gymnasiums zu wechseln um im dortigen sogenannten "kleinen Seminar" meine Schulzeit mit der Matura abzuschließen.

Wie vielen Maturanten stellte auch ich mir damals die Frage: was soll ich studieren? Ein Semester habe ich in die Medizin hineingeschnuppert, aber rasch erkannt, dass ich für den Beruf eines Arztes ungeeignet wäre. Auch der zweite Versuch, Geschichte zu studieren, war nicht von Erfolg gekrönt. Da im Universitätsgebäude die Theologie im 2. Stock über den Historikern beheimatet war, lag es nahe, auch einmal eine Vorlesung dieser Fakultät zu besuchen. Bei diesem Vorlesungsversuch geriet ich an Prof. Johannes Messner, der im philosophischen Lehrgang das Fach Ethik lehrte und er hat mich fasziniert. Er konnte ein Gedankengebäude so logisch aufbauen, dass die Schlussfolgerung zwingend war. Er zitierte dabei immer wieder aus Paulus Briefen und den Evangelien. Dadurch wurde mein Interesse an der Echtheit und historischen Verlässlichkeit der Schriften des Neuen Testaments geweckt. Die Inskription auf der katholischtheologischen Fakultät und der Eintritt ins Wr. Priesterseminar folgten. Meine Überlegung war: wenn das stimmt was die Professoren vortragen und davon war und bin ich auch heute noch überzeugt, dann muss das Konsequenzen für mich haben.

Nach 8 Semestern Studium stand damals die Weihe zum Subdiakon heran, mit den Verpflichtungen zum Gehorsam, zum Zölibat und zum Breviergebet. Das war mir denn doch ein wenig unheimlich und nach Rücksprache mit dem damaligen Regens, Prälat Franz Steiner, zog ich mit meinem Koffer aus der Bolzmanngasse aus. Neben dem Studium begann ich, denn die Theologie wollte ich auf alle Fälle abschließen, vormittags zu unterrichten und nachmittags arbeitete ich in der kath. Presseagentur. Es war die Zeit des 2. Vatikanischen Konzils, eine sanfte Revolution in der Kirche und eine unglaubliche Aufbruchstimmung. Die deutschsprachigen katholischen Presseagenturen eröffneten in Rom ein Pressebüro und einige Monate habe ich als Journalist bei dieser Presseagentur gearbeitet. Dies waren sehr spannende und interessante Monate in meinem Leben. Die Internationalit ät der Kirche, die Bischöfe aus allen Völkern und die Diskussionen um die Zukunft der Kirche faszinierten mich.

Nach 2 Jahren dämmerte es mir, dass der Beruf eines Priesters doch etwas für mich wäre. Da der Kontakt mit dem Regens des Priesterseminars, Prälat Steiner, nie ganz abgerissen war, marschierte ich mit meinem Koffer wieder in die Bolzmanngasse und wurde nunmehr vor 40 Jahren zum Priester geweiht. Sie sehen meine Entscheidung zum Priester war keineswegs geradlinig, sondern führte mich über Seiten- und Umwege. Die Erfahrungen die ich dabei sammeln konnte, haben mich geprägt und so darf ich Ihnen versichern, dass mich mein Entschluss Priester zu werden letzendlich nicht gereut hat und ich ihn sofort wieder treffen würde.

Ihr Pfarrer Elmar Mayer

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