Pfarre Breitenfeld — Themenformum — Das Wort des Pfarrers 3/2004 |
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Ausgaben:Das Wort des Pfarrers (3/2004)
Ein Gebet für jede Stunde?Das Stundengebet, das Brevier, ist eine Sammlung von Gebeten, zum Großteil Psalmen, Schriftlesungen und Kommentaren von Kirchenvätern und Theologen. Es sind Gebete und Lesungen, die dem Priester jeden Tag aufgetragen sind, entsprechend den Tageszeiten. Der Beginn wäre das Gebet in der Nacht bzw. am frühen Morgen, die Matutine, das Morgengebet, die Laudes, richtigerweise um 9.00 Uhr, 12.00 Uhr, um 15.00 Uhr, Terz, Sext, Non im Lauf des Tages. Der Tag endet mit der Vesper und dem Abendgebet, die Komplet. Verständlicherweise sind die Tageszeiten selten, wenn überhaupt genau einzuhalten und normalerweise werden Terz, Sext und Non vor dem Mittagessen zusammengezogen. Welchen Sinn soll und kann so ein "befohlenes Gebet" haben? Kann man ein Gebet überhaupt befehlen? Ich denke, wohl nicht befehlen, aber dringendst nahe legen, denn es erinnert immer wieder an die Basis und den Ausgangspunkt des priesterlichen Lebens. Immer wieder werde ich in aller Arbeit und mitunter Hektik des Tages erinnert und hingeführt auf die wesentliche Grundlage dessen, was ich tue und somit ist schon ein gewisser Schutz vor dem Abrutschen in einen reinen Aktionismus gegeben. Ein zweites ist zumindest für mich wichtig, besonders am Tagesausklang. Sie werden doch auch Tage erleben, an denen alles danebengeht. Am Abend sitzt man dann deprimiert vor den Misserfolgen des Tages da. Das Abendgebet kann in solchen Situationen ungemein beruhigend wirken. Wenn der Psalmist bewegt ob seines Unglücks Klage führt und immer wieder die helfende Hand Gottes preist, wird klar, dass nicht ich allein agiere und arbeite, sondern dass auch ER mit seinem Heiligen Geist, seiner Allwissenheit und Liebe zu mir und den Menschen ein gewichtiges Wort mitzureden hat. Dann werden die Ärgernisse und die Frustration des Tages doch sehr relativiert und verlieren viel von ihrem Gewicht. Es wird deutlich, dass ich mit meinen Problemen nicht allein stehe. Wenn das Geschehen des Tages Revue passiert und man entdeckt, für wie Vieles man dankbar sein muss, endet er mit einem ungemein positiven Abschluss. Anschließend an diese Überlegungen drängt sich noch etwas ins Bewusstsein, nämlich dass ich mit den Gebeten die weit über 2000 Jahre gesprochen wurden und die ich nun im Jahr 2004 lese, mich mit all jenen unzähligen Menschen in einer Tradition befinde, die in ihrer Freude Gott gedankt und in ihrer Sorge und ihrem Leid Gott um Hilfe gebeten haben. Sie werden zugeben, dass auch dieser Gedanke ungemein hilfreich und beruhigend sein kann. Ihr Pfarrer Elmar Mayer |
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