Pfarre Breitenfeld — Themenformum — Das Wort des Pfarrers 4/2004 |
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Ausgaben:Das Wort des Pfarrers (4/2004)
Ich denke, ich wäre ein SchafWenn Sie dieses Pfarrblatt erhalten nähert sich Weihnachten mit Riesenschritten und wie jedes Jahr haben wir alle eine ganze Menge Vorbereitungen zu treffen. Eine dieser Vorbereitungen betrifft die Durchsicht der Krippenfiguren des Stalles und von allem, was so zur Krippe dazugehört. Die heilige Familie selbstverständlich, die Hirten, eventuell ein Engel und natürlich Ochs und Esel und eine Zahl von Schafen. Auch ich richte jedes Jahr meine Krippe und hänge dabei meinen Gedanken nach - einer davon: "was wäre ich bei der Krippe"? Sicher kein Engel und auch kein Hirte - mich hat kein Engel besucht, Ochs und Esel will ich nicht sein, bleibt also nur das Schaf über.
Ich glaube, auch ein Schaf versteht die Freude über neues Leben. Was dem Schaf allerdings vollkommen verborgen ist, was es nicht versteht und auch nicht verstehen kann ist, was diese Geburt für die Menschen bedeutet. Und ich frage mich, und ich wage zu vermuten viele meiner Mitmenschen auch, ob ich die Bedeutung dieser Geburt in Bethlehem erkennen kann. Von verstehen will ich gar nicht reden. Die kleine Krippenfigur des Schafes hat mich wieder einmal zum Nachdenken gebracht, ob das Fest der Geburt Jesu für mich und für viele nicht zur alljährlichen Routine verkommen ist.
Keineswegs möchte ich in das Gejammer über die Weihnachtshektik und Verdrängung des Festgedankens durch Geschenkorgien einstimmen. Aber es ist sicherlich sehr nützlich, sich im Laufe der verschiedenen Vorbereitungen wieder einmal intensiver mit der Frage auseinanderzusetzen, welche Bedeutung das Ereignis in Bethlehem für mich und für jeden von uns hat. Welchen Stellenwert hat die Geburt Jesu, den wir den Christus, den Messias, nennen? Ist sie Anlass für ein Familienfest, Anlass Freunde zu beschenken, oder aber, auch das gibt es, Anlass für Depressionen und besonders spürbare Einsamkeit? Das kann doch wohl nicht alles sein. Fast zwingend ergibt sich für ein gelungenes Weihnachtsfest, dass die Bedeutung der Geburt Jesu über all das weit hinausgehen muss. Die kleine Krippenfigur in meiner Hand hat mich dazu gebracht, voll Freude wieder zu erkennen, dass wir Menschen Gott so wichtig sind, dass er unsere Natur angenommen hat. Er ist unser persönlicher Gott, der nicht über den Wolken schwebt, sondern unsere Sorgen und ängste versteht, unsere Freuden und Leiden selbst erfahren hat, der uns kennt, weil er selbst einer von uns geworden ist.
Es ist erstaunlich, zu welchen Gedanken die Figur eines Schafes führen kann und so hoffe ich, werden Sie die Überschrift verstehen. Sicher können wir Menschen dieses Wunder der Menschwerdung Gottes nicht bis ins Letzte verstehen, uns aber darüber freuen. Mein Schaf habe ich ganz nahe zur Krippe gestellt. Ihr Pfarrer Elmar Mayer |
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