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Pfarre Breitenfeld — Themenformum — Das Wort des Pfarrers 1/2006

Das Wort des Pfarrers (1/2006)

Elmar Mayer

Geheime Skandale im Vatikan

In letzter Zeit wurden verschiedene Skandale des Vatikan in Büchern dargestellt. Intrigen ja sogar Morde in höchsten Kreisen konnte man da mit einer Gänsehaut verfolgen. All diese Kriminalromane fügen sich nahtlos in Berichte quer durch die Kirchengeschichte ein, die von den kleinen Gaunereien bis großen Verbrechen der Kirche wissen wollen.

Es beginnt schon mit rabbinischen Schriften, die Jesus als Sohn eines römischen Legionärs namens Pantera, zu beweisen suchen. Setzt sich fort, wie im Evangelium zu lesen ist, dass die Jünger den Leichnam Jesu gestohlen hätten und die Auferstehung daher ein Betrug sei.

Die diversen Schmähschriften über das Christentum der späten Antike aber auch des Mittelalters will ich übergehen - es würde den Rahmen des Pfarrblattes sprengen.

Im Zusammenhang mit der Reformation, die sich ja wesentlich gegen das Papsttum wendet, wird es wieder interessant, denn einige dieser Skandalberichte hört man verschiedentlich noch heute. Die Legende über die "Päpstin Johanna" ist nicht auszurotten. Sie geht auf eine zwei Jahre lange Sedisvakanz (Ein Papst ist noch nicht gewählt) zurück. Seuchen haben die Kardinäle abgehalten zur Papstwahl zu kommen. Weiters wurde eine antike Skulptur an einer Hausecke in der Nähe der Engelsburg als Beweis missbraucht. Die Figur stellt die Göttin Hera dar, die Herakles säugt. Die zwei Jahre ohne Papst und die antike Figur der Göttin hat man nun vereint und behauptet, durch Intrigen sei eine Frau zum Papst gewählt worden, schwanger geworden und habe an dieser Ecke im Rahmen der Fronleichnamsprozession entbunden. Sicherlich ist in Rom in der Renaissance nicht alles ordentlich abgegangen, die meisten Giftmorde im Namen des Papstes oder eines Kardinals haben aber in der tradierten Form nicht stattgefunden. Wohl gab es einige wichtige Persönlichkeiten, die augenscheinlich durch Gift ums Leben kamen, schuld an ihrem Tod war aber nicht ein Mordkomplott, sondern die Bleirohre der antiken Wasserleitungen, bzw. Krankheiten, die man nicht erkannte. Sie sehen also, dass die oben genannten Bücher eine durch Jahrhunderte dauernde Serie, die Skandale im kirchlichen Rom erfinden, fortsetzen.

Lästig und peinlich wird es nur, wenn unbedarfte Gemüter diese Schauergeschichten ernst nehmen und sie der Realität zuordnen. Es stellt sich aber nun die Frage, aus welchem Grund derartige Märchen erfunden bzw. geglaubt werden. Die in den letzten Jahren erschienenen Kriminalromane mit kirchlichem Hintergrund, sind ohne Frage ein gutes Geschäft, wie den Bestsellerlisten zu entnehmen ist.

Die zweite Kategorie, z.B. die Geschichte von der "Päpstin Johanna", ist vor allem dazu geschrieben worden, um die Position des Papstes, der Kirche bzw. des Christentums verächtlich zu machen und "nachzuweisen", dass die Evangelien und der verkündete Glaubensinhalt der Christen eigentlich ein Betrug sei. Wird nämlich das Ereignis der Auferstehung ernst genommen, bedeutet das wesentliche und notwendige Änderungen in unserem Leben. Lieb gewordene Gewohnheiten müsste man ändern und Handlungen setzen, die einem unbequem sind. All das kann man sich ersparen, wenn man " Beweise" hat, sosehr sie auch erfunden sind, die die Basis des Christentums und die Position der Kirche unglaubwürdig machen. Es gibt schlechtere aber auch bessere Kriminalromane als die in den letzten Jahren erschienen Bücher über vatikanische Verbrechen. Aber bitteschön sie sind ebenso Realität wie der "Mord am Nil" von Agatha Christie.

Ihr Pfarrer Elmar Mayer

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