Pfarre Breitenfeld — Themenformum — Das Wort des Pfarrers 2/2006 |
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Ausgaben:Das Wort des Pfarrers (2/2006)
"Wir feiern feste"Das mit dem Gedächtnis ist halt so eine Sache. Es lässt die Schwierigkeiten in den Hintergrund treten und die Erinnerung an schöne Erlebnisse immer schöner werden. Dessen ungeachtet ist aber das Gedächtnis doch von großer Bedeutung für den Menschen. So glaube ich, dass der Mensch ohne Erinnerung an das Vergangene doch sehr arm wäre. Herz und Gemüt sind leer, die Vergangenheit ist "erlebnis-los", und die Persönlichkeit ohne Wurzeln. Aber wie sehr vieles muss auch das Gedächtnis gepflegt und erhalten werden. Eine gute Möglichkeit zur Gedächtnispflege sind Feiertage und Feste, sowohl im privaten Bereich als auch im öffentlichen Leben. Geburtstage werden gefeiert, Firmenjubiläen, Hochzeitstage, oder auch große Feiern wie die der Republik anlässlich des Jahrestages der Staatsvertragsunterzeichnung.Das Beisammensein nach einem Begräbnis, sei es in einer Konditorei oder am Friedhof, zählt sicher nicht zu einem fröhlichen Fest. Aber ohne Frage werden Erinnerungen und Erlebnisse aufgefrischt, das Gedächtnis also gepflegt. Als Pfarrer aber steht es mir zu, ein wenig über die kirchlichen Feste nachzudenken. Vor einiger Zeit haben wir Ostern festlich begangen, und ich denke es ist gut auch für unser eigenes Leben sich mit Tod und Auferstehung auseinanderzusetzen, sich zu besinnen, dass die Auferstehung Jesu auch für uns und unser Leben von größter Bedeutung ist. Sicher erinnern wir uns unterm Jahr auch daran, aber wie gesagt, das Gedächtnis will gepflegt werden. Ein anderes großes Fest ist Weihnachten. Wir feiern die Geburt dessen, der uns Inhalt und Ziel des Lebens klar und deutlich nahe gebracht hat. Durch die Geburt in Bethlehem hat er bewiesen, dass Gott an jedem einzelnen von uns etwas liegt und wir ihm wichtig sind. "Ich danke meinem Gott mir die Gelegenheit verschafft zu haben, ihn als den Schlüssel zu unserer wahren Glückseligkeit kennen zu lernen. Ich lege mich nie zu Bette, ohne zu bedenken, dass ich vielleicht, so jung ich bin, den anderen Tag nicht mehr sein werde – und es wird doch kein Mensch von allen die mich kennen sagen können, dass ich im Umgang mürrisch oder traurig wäre. Und für diese Glückseligkeit danke ich alle Tage meinem Schöpfer und wünsche sie von Herzen jedem meiner Mitmenschen." Wolfgang Amadeus Mozart in einem Brief an seinen Vater Allein kann man aber keine Feste feiern, es gehört unbedingt eine Gemeinschaft von Menschen, die ähnlich denken und fühlen wie wir und zu denen wir eine positive Beziehung haben dazu. Jedes Fest, ob im persönlichen oder öffentlichen Leben, hat auch ein gewisses Ritual. Seien es Festreden, sei es eine bestimmte Tischdekoration oder das gemeinsame Singen. Eines dieser Feste der Gemeinschaft feiern wir jede Woche - den Sonntagsgottesdienst, in dem die Anwesenheit Jesu in unserer Mitte, in Verbindung mit uns Menschen geschieht. Wie bei anderen Festen kommt es vor, dass wir nicht immer mit der gleichen Begeisterung am Fest teilnehmen wollen und eine ganze Reihe von "Entschuldigungen" haben, um zu Hause bleiben zu können. "Auf mich kommt es ja nicht an, es werden viele andere da sein, und es fällt gar nicht auf, wenn ich nicht komme!" Dabei aber bedenkt man nicht, dass es vielleicht nicht auf mein Wohlbefinden ankommt, sondern unter Umständen meine Anwesenheit dem einen oder anderen Freude macht. Ist es nicht möglich, dass die Mitfeier des Sonntagsgottesdienstes, auch wenn mir nicht unbedingt danach ist, für andere wichtig ist und andere freut. Mitunter - da spreche ich aus eigener Erfahrung - ist ein Fest, das ich nur aus Pflichtbewusstsein besucht habe, wunderschön und begeisternd. Ich bin überzeugt, dass das Bedürfnis, gemeinsam ein Fest zu feiern, Erinnerungen auszutauschen und die Gemeinschaft zu genießen ein Grundbedürfnis der Menschen ist. Darum lasst uns Feste feiern!
Ihr Pfarrer Elmar Mayer |
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