Pfarre Breitenfeld — Themenformum — Das Wort des Pfarrers 2/2008 |
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Ausgaben:Das Wort des Pfarrers (2/2008)
März 1938An sich bin ich von Gedenk- und Bedenkjahren nicht sehr begeistert, weil es offenbar nicht möglich ist, vollkommen objektiv zu gedenken. Eine Ausnahme möchte ich aber mit obigem Datum machen, denn immer wieder wird behauptet, dass viele Österreicher und vor allem Kardinal Innitzer Nationalsozialisten gewesen wären und Mitschuld an den furchtbaren Ereignissen in den folgenden Jahren hätten. Es wird nicht mehr viele Zeitzeugen für den März 1938 geben und ich wollte nun wissen, ob und in welcher Form die politischen Ereignisse einen Niederschlag in der Pfarre Breitenfeld gefunden haben. Ich habe daher die alten Pfarrblätter durchgesehen und – siehe da – ich wurde fündig. Im „Breitenfelder Pfarrblatt“ Nr.3 ist eine Predigt des Münchner Erzbischofs Kardinal Faulhaber auszugsweise veröffentlicht. Der Titel des Beitrages lautet „Die Kirche in Bedrängnis“ und beginnt: „Der schwerste Raub, den man an einem Volk verüben kann, ist der Raub des Glaubens eines Volkes an Gott. … Der Mensch braucht Gott, um Mensch zu bleiben, um nicht zu einem unwürdigen Wesen herabzusinken. Er braucht Gott für Werke der Barmherzigkeit und um am Gemeinwohl mitzuwirken.“ Das Breitenfelder Pfarrblatt berichtet von einem Erlass des Deutschen Reichsministers des Inneren, der den Beamten – später vom Reichsjustizministerium auch auf alle Notare ausgedehnt - untersagt, ihre Kinder in Katholische Privatschulen zu schicken – ein tiefer Eingriff in primäre Elternrechte. In seiner Predigt wendet sich Kardinal Faulhaber gegen die Auflösung der katholischen Jugendverbände, in der er eine Verletzung des deutschen Konkordates sieht. Er erklärt, dass die katholischen Jugendverbände keineswegs staatsfeindlich seien. Seine Predigt schließt: „Die Katholiken müssen der Gewalt weichen, aber niemand kann ihnen Christus rauben.“ Ich habe versucht mich in die Gefühle derer hinein zu denken, die vor 70 Jahren in unserer Pfarre diese Texte lesen mussten. Ich bin überzeugt, dass tiefe Sorge und auch Angst vor der Zukunft maßgebend waren. Ich glaube, man schätzt die damalige Bevölkerung als unbedarft, ja dumm ein, wenn man ihnen zumutet, die Ideologie des Nationalsozialismus nicht verstanden zu haben. Die Texte im Breitenfelder Pfarrblatt 1938 beweisen, dass offenbar sehr genau begriffen wurde, was auf die gläubigen Menschen zukommt und dass von Anfang an doch in breiten Bevölkerungsschichten die Ablehnung der nationalsozialistischen Ideologie tief verwurzelt war. Es ist einfach falsch und eine peinliche Vereinfachung, uns Glauben machen zu wollen, dass der allergrößte Teil der Menschen in Österreich die Grundsätze des Nationalsozialismus begrüßt hätte. Ihr Pfarrer Elmar Mayer |
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