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Das Wort des Pfarrers (4/2008)
Es ging aus vom Kaiser Augustus ein Befehl …
auch Maria und Josef machten sich auf den Weg,
um sich eintragen zu lassen …
… und sonst geschah nichts.
Ein provokanter Titel, das gebe ich zu! Grundlage für diese Überschrift war die Frage: Was wäre geschehen, wenn Jesus nicht geboren worden wäre? Seriöserweise ist diese Frage nicht zulässig. Ich gestatte mir aber hin und wieder, so zum Beispiel bei den Gedanken, die ich Ihnen hier anbiete, provokant und nicht ganz seriös zu sein.
Was wäre geschehen, wenn Jesus nicht geboren worden wäre?
Was mir als erstes sofort einfällt, wäre, dass es kein Weihnachtsgeschäft gäbe. Millionen und Abermillionen würden nicht in die Wirtschaft fließen. Geschenke quer durch den Katalog von Versandhäusern würden nicht gekauft und sicherlich ginge auch eine große Zahl von Arbeitsplätzen verloren. Andererseits bin ich überzeugt, dass der Wirtschaft und den Versandhäusern schon ein anderes Fest eingefallen wäre mit welchem man gute Geschäfte machen könnte – die Wintersonnenwende zum Beispiel.
Seit wir von der Geschichte der Menschheit etwas wissen, war ihr von Anfang an eine religiöse Komponente eigen. Welches Gottesbild hätten wir ohne Jesus Christus heute? Den griechisch-römischen Götterhimmel, den ägyptischen Isiskult, Mitras oder den guten alten Wotan ? Gibt es aber nicht auch heute verschiedenste Vorstellungen der Transzendenz, der Göttlichkeit?
Was ist also anders, weil Jesus geboren ist? Eines – und das halte ich für das Allerwichtigste – wir haben in Jesus, der zweiten göttlichen Person, einen Gott, zu dem wir DU sagen können. Er sitzt nicht abgehoben auf Wolke 13 als Weltpolizist, der unsere Ausrutscher und Fehler auflistet. Er kennt unsere Schwächen und die daraus resultierenden Fehltritte und vergibt sie uns, weil ihm an uns etwas liegt, weil er uns liebt.
Ebenso wichtig ist, dass er uns durch seine Geburt als Mensch unmittelbar vor Augen geführt hat, dass wir alle im weitesten Sinn seine Brüder und Schwestern sind. Das bedeutet, dass weder Rasse, noch Kultur, noch Geschlecht zu unterschiedlichen Wertigkeiten zwischen den Menschen gemacht werden dürfen. Durch diese Tatsache sind wir aufgerufen, für unseren Nächsten da zu sein, wenn er in Not ist und das, was wir „Caritas“ nennen, zu praktizieren, gleichgültig, ob wir den Hilfebedürftigen kennen oder nicht. Ohne diese Geburt in Bethlehem wären wir dem Egoismus, den es natürlich auch weiterhin in verschiedenen Formen gibt, völlig ausgeliefert – einer Macht, die dann alles bestimmen würde. Wer darf wie lange leben? Wem darf es gut gehen und wie hat dieses Wohlbefinden auszusehen?
Im Leben jedes Menschen stellen sich Fragen, die jeder für sich zu beantworten versucht: Woher komme ich, wohin gehe ich, welchen Sinn hat mein Leben? Kann es der Sinn des Lebens sein: Aufstehen – Frühstücken – Arbeiten – Mittagessen – Arbeiten – Fernsehen – von 1. Jänner bis 31. Dezember. Unterbrochen von ein paar Wochen Urlaub oder Krankheit? Jedem von uns begegnet der Tod in irgendeiner Form. Wohin gehe ich, wenn das Buch meines Lebens einmal geschlossen wird? Diese Fragen können uns allein nur durch das Kind von Bethlehem beantwortet werden. Wir gehen zu IHM in seine Herrlichkeit, hinein in seine Liebe. Der Sinn unseres Lebens ist, den Weg zu IHM zu finden. Für mich sind die Heiligen Drei Könige ein gutes Bild für den Weg, den Sinn des Lebens und das Ziel des Weges.
Jesus wurde geboren, lebte und wirkte und gab uns freudige Hoffnung, Vertrauen und Zuneigung. Freuen wir uns, dass wir auch heuer am Weihnachtsabend die Geburt Jesu feiern dürfen und akzeptieren wir die frohe Botschaft, die er uns gegeben hat. In dem Sinn wünsche ich Ihnen eine gesegnete und frohe Weihnachtszeit.
Ihr Pfarrer
Elmar Mayer